Microsoft verliert Patentstreit: Verkaufsverbot für Word

Microsoft hat einen Patentstreit verloren und darf das Textprogramm Word nicht mehr anbieten. Laut Urteil muss der Softwareriese alle Office-Pakete aus dem Handel nehmen und updaten.

Seit Ende Dezember läuft die Umtauschkampagne von Microsoft. Bild: dpa

Stolze 290 Millionen Dollar muss der Software-Riese Microsoft an den deutlich kleineren Konkurrenten i4i zahlen, sollte auch der letzter Antrag auf Berufung scheitern. Der Grund ist eine im August 2009 durch das Bundesgericht in Texas festgestellte Patentrechtsverletzung: Microsoft hatte vor einigen Jahren die Nutzung des Datenformats XML in sein Textprogramm Word eingebaut, ohne sich eine entsprechende Lizenz zu besorgen. Die kanadische Firma i4i klagte durch mehrere Instanzen gegen Microsofts Ideenklau – und gewann.

Zwar sind dreistellige Millionen-Beträge selbst bei einem Giganten wie Microsoft keine Summe, die man mal eben aus der Portokasse bezahlt. Doch noch wesentlich ungemütlicher als die Strafzahlung ist die Tatsache, dass das Gericht konkrete Auflagen machte: Der Software-Konzern muss ab dieser Woche den Verkauf von Word-Versionen in den USA einstellen, die das i4i-Patent tangieren. Das kommt einem faktischen Abgabeverbot des Programms Microsoft Office gleich, das Word enthält und auf Millionen PCs installiert ist.

Aus diesem Grund läuft seit Dezember eine Umtauschkampagne: Microsoft zieht alte Programmpakete von Office und Word aus dem Handel zurück und ersetzt sie gegen solche, denen die i4i-Funktion fehlt. Gleichzeitig hat sich der Konzern verpflichtet, für alle bereits im Umlauf befindlichen Kopien ein Update bereitzustellen, damit möglichst viele Nutzer ihre Software bereinigen. Sollte der Umtausch nicht funktionieren, wird es brenzlig: Dann erwartet jeden Word- und Office-Nutzer eine Art Zwangsaktualisierung, die Microsoft als Sicherheitsupdate verklausuliert.

Jene Fachleute, die die i4i-Funktion, die die Speicherung im Datenformat XML betrifft, benötigen, sind dann aufgeschmissen: Das Feature wird unwiederbringlich aus der Software gelöscht. Betroffen sind Office 2003 und Office 2007 sowie die entsprechenden Word-Versionen. Auch Mac-Benutzer erwartet eine entsprechende Aktualisierung. "Die meisten Nutzer werden nichts merken", heißt es von Microsoft lapidar. "Der Prozess wird nicht lange dauern."

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