: Mette-Marit köpfen!
Verstiegene Forderungen nach Epstein-Skandal
Manchmal möchte man Journalisten zurufen: „He, Ihr seid nur Journalisten!“ Aber gerade unter Leitartiklern ist der Typus eitler Fatzke besonders weit verbreitet. Da wird gefordert und verlangt und gemahnt und gewarnt, als ob irgendein Präsident oder Kanzler oder eine Ministerin oder Politikerin auf diese kleine Nulpe von Wichtigheimer hören würde.
Aber es gibt ja auch noch Könige und Prinzessinnen, an denen sich diese publizistischen Spitzenkräfte in ihrer schieren Verblendung abarbeiten können. Wie der Leitartikler der angeblich seriösen schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter am Mittwoch, der im Zuge der Epstein-Affäre allen Ernstes außergewöhnliche Konsequenzen für die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit verlangte, die allerdings wirklich ein schmieriges Verhältnis zu dem Sexualstraftäter Epstein hatte.
Nein, geköpft werden soll sie nicht wie so manches historische Vorbild, aber Mister Schwedentrunk sieht nur eine Lösung: „Also ist die einzige Art und Weise, die Verbindung zwischen den Skandalen und dem Königshaus zu kappen, eine Scheidung von Mette-Marit und Haakon.“
Eine Scheidung?! Da werden sich die Norweger aber über diesen arroganten schwedischen Vorschlag, ihre Kronprinzessin rauszuwerfen, sehr freuen. Zwar hat Mette-Marit tatsächlich zwei Körper: einen staatspolitischen als künftige Gattin eines Staatsoberhaupts und einen privaten als Frau Tjessem Høiby. Aber über die private Person und die Konsequenzen für ihre Beziehung zu ihrem Lebenspartner entscheidet immer noch einzig und allein das Individuum selbst und kein verstiegener Leitartikler nach zu viel Kaffee am Morgen, der sich den Sturz einer Prinzessin an die Druckfahnen heften möchte.
Dieser Epstein-Dreck wächst sich inzwischen zu einer gigantischen Farce aus, die nur noch von den wahren Problemen unserer schwierigen Zeit ablenkt. Wir fordern die sofortige Beendigung sämtlicher Skandalkommentare, um mal hier den klassischen Leitartiklertonfall anzuschlagen.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen