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taz-Wahlservice„Mein Papi pustet Kanzler Kohl vom Stuhl“

■ Die „Partei der Arbeitslosen und Sozial Schwachen“ und die Europapolitik

Wen wählen wir denn bloß, fragen sich nicht nur ganze WGs und Kleinfamilien, sondern auch so mancher Redakteur an seinem Schreibtisch. An Auswahl mangelt's nicht: 23 Parteien treten bundesweit zur Europawahl an. Der taz-Wahlservice schafft Abhilfe bei der Qual der Wahl. Ab heute können Sie bis zur Wahl in unregelmäßigen Abständen erfahren, was Sie schon immer über Stimmenfänger wissen wollten — oder auch nicht.

Über Parteien zu schreiben ist eine schwierige Aufgabe. Die PASS macht es einem da besonders schwer. Als „Partei der Arbeitslosen und Sozial Schwachen“ hat sie sich eine sehr große Zielgruppe ausgesucht. Nicht angesprochen sind eigentlich nur die Reichen, und derer gibt es bekanntlich nicht so viele. Sie und die Politiker sind auch die Bösen im Weltbild der Berliner PASS. Wer viel Geld hat, kann es nur bekommen haben, weil er anderen was weggenommen hat. Und wer macht diese Ungerechtigkeit möglich? Ja, genau, die etablierten Parteien. Sie hätten in den letzten zehn Jahren fleißig an allen Enden und Ecken bei Mittellosen weggeschnitten. So weit ist diese Zustandsbeschreibung im Programmheft gar nicht so falsch. Dann wartet und guckt man, ja auf was denn, na auf die ultimative Lösungsstrategie! Die präsentiert sich in Form von Kürzungen — diesmal natürlich bei den Reichen. Also schnipp, hier was weg, und papp, hier was dran, und schon ist die Welt wieder im Lot. Andreas Lüdecke, der Vorsitzende, ist optimistisch, daß sich viele der Angesprochenen auch betroffen fühlen. Zumindest hat das Häuflein Unverzagter, das die Partei ins Leben rief, bei der Unterschriftensammlung sehr viel Zuspruch bekommen. Über viertausend Signaturen konnten sie in nur drei Wochen („und davon eine Woche Osterferien!“) sammeln.

Den gleichen Durchbruch wünschen sich die 400 Mitglieder der PASS nun für die Europawahl. Der Vorsitzende ist guten Mutes, wenn denn die zweieinhalb Minuten Werbespots in den Öffentlich-Rechtlichen auch an die Richtigen geraten. 4,8 Prozent am 12. Juni könnte er sich schon vorstellen. Die würden dann die etablierten Parteien so erschrecken, daß sie ihre Politik ändern müßten. Das Töchterchen von Vorstandsmitglied Frank Knüppel weiß auch, was dann als nächstes passieren wird: „Mein Papi wird den Kanzler Kohl von seinem Stuhl pusten, pfft, einfach so.“ Elke Eckert

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