piwik no script img

Mehr als 50 VerletzteGanz Berlin (plus Schalke) hasst die Polizei

Bei einem Spitzenspiel der Zweiten Bundesliga am Samstag gerieten die Berliner Polizei und Hertha-Ultras aneinander. Hertha stellt sich hinter die Fans.

Die Reihen lichten sich: trauriges Bild von der Hertha-Kurve am Samstagabend Foto: dpa

Wer von der traditionellen Rivalität zwischen beiden blau-weißen Vereinen weiß, der wird sich schon arg gewundert haben ob der Ereignisse am Samstagabend. Da lieferten sich Heim-Fans der blau-weißen Hertha vor dem Spiel Scharmützel mit der Polizei, und kurz darauf solidarisierten sich die Gäste-Fans von Schalke 04 mit den Anhängern des Hauptstadtklubs. Mehr als 50 Verletzte und mehrere Festnahmen standen am Ende zu Buche.

Aber das sollte noch nicht alles sein. Es schien, dass sich auch die Teams von den Umständen anstecken ließen und das Fußballspielen weitgehend einstellten, jedenfalls vom fußballästhetischen Standpunkt aus betrachtet. Nach 16 Spielminuten räumten die Hertha-Fans zum Großteil die Kurve, auch am anderen Ende des weiten Runds wurde der Support eingestellt. Heraus kam ein etwas trauriges 0:0 zwischen dem Herausforderer aus Berlin und dem Tabellenführer aus dem Ruhrgebiet.

Die Polizei beklagte massive Fangewalt. Die Hertha-Fanhilfe sprach von einem überharten Polizeieinsatz

Aber auch das war es noch nicht. Denn über die Ursachen der Scharmützel waren sich die beteiligten Seiten auch uneins. Die Polizei beklagte massive Fangewalt. Die Hertha-Fanhilfe sprach von einem überharten Polizeieinsatz. Der Präsident der Hertha kündigte an, auf breiter Ebene Gespräche zu suchen.

Hausdurchsuchungen vor Ausschreitungen

Nun kann man sich durchaus vorstellen, dass beide Seiten – hier wütende Ultras, dort eine gewaltbereite Polizei – sich im Zweifel nichts schenken. Aber was führte zu dem Exzess? Laut dem Berliner Boulevardblatt B.Z. gibt es eine brisante Vorgeschichte: Es soll Hausdurchsuchungen durch bewaffnete und vermummte Polizisten gegeben haben, Anlass eher „unverhältnismäßig (wegen Graffiti)“.

Nun lässt sich die Ultra-Szene höchst ungern traktieren, im Gegenteil versucht sie auch in aller Öffentlichkeit, ihre Souveränität zu betonen – Stichwort Pyrotechnik und Widerstand gegen die Innenministerkonferenz. Dass Gräben zwischen den sonst so verfeindeten Fangruppen zugeschüttet werden, wenn es gegen die Polizei geht, sollte allerdings besonders letzterer zu denken geben. Ansonsten werden die Räuber-und-Gendarm-Spiele noch weitere unnötige Runden drehen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare