: Mauer offen: Rüstungsetat kürzen!
■ Appell: Fünf Milliarden D-Mark aus dem Rüstungshaushalt für einen Devisenfonds
Bonn (taz) - Angesichts der jüngsten Entwicklungen besonders in der DDR wäre es durch nichts zu rechtfertigen, würde die Bundesrepublik weiter aufrüsten, als sei nichts geschehen. Bevor morgen der Bundestag abschließend über den Rüstungshaushalt 1990 berät, fordern Organisatoren und Wissenschaftler der Friedensbewegung sowie prominente Einzelpersonen eine sofortige Kürzung des Wehretats um fünf Milliarden Mark. Die freiwerdende Summe soll in einen Devisenfonds „für Begegnung und Zusammenarbeit zwischen Ost und West“ eingezahlt werden, fordern die rund 70 Erstunterzeichner des Aufrufs „Abrüstung jetzt!“ Zu den Unterstützern des Appells, der sich an die Bundestagsfraktionen richtet, gehören der Flottenadmiral Schmähling, Pfarrer Albertz, der Psychoanalytiker Horst -Eberhard Richter, die Ärzteorganisation IPPNW sowie einige grüne und zwei sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete. Gemäß ihrer Vorstandslinie will die SPD-Fraktion den Wehretat, im Entwurf 1990 auf knapp 55 Milliarden Mark angesetzt, nur um 3,2 Milliarden Mark gekürzt sehen.
„Abrüstung jetzt“, so meint der Sprecher der IPPNW-Ärzte Michael Roelen, „ist eine geeignete Antwort, die wir auf die Reformen im Osten geben können“. Weitere Kürzungen des Wehretats müßten folgen, „denn erheblich größere Summen werden künftig erforderlich sein, um den sozialen, politischen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen gerecht zu werden, die sich im gesamteuropäischen Rahmen stellen“.
cw
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen