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Matt durch Langeweile

Achtung! Bald ist Internationaler Schach-Tag

Mit „Adrenalin auf 64 Feldern“ brachten die unlauteren Hütchenspieler von KNA gestern die wohl empörendste Überschrift des Jahres ins Spiel. Immerhin warnte die Agentur unter dieser faustdicken Lüge und mit einer ebenfalls dreist gelogenen „Ode zum Internationalen Schach-Tag“ die Zivilbevölkerung vor dem Schreckenstag des 20. Juli. In der nächsten Woche wollen nämlich Langweiler aller Länder, die sich mit Eintritt in die Schach-AG schon in der Unterstufe willentlich von der Menschheit abgewendet haben, ihr Hochamt der spielgewordenen Ödnis zelebrieren. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Bretter werden gewienert, Pferde gesattelt, Läufer gestriegelt, der alte Turm erhält einen neuen Anstrich. Außerdem werden die allerschnarchigsten Schach-Anekdoten aus dem öffentlichen Bücherschrank geholt, die ödesten und langwierigsten Erläuterungen für Eröffnungszüge und Hängepartien memoriert, um Schach-Laien am Festtag ins strategische Koma zu labern. Doch vor allem wird der Habitus der intellektuellen Überlegenheit auf Hochglanz poliert, der Schachspieler so herrlich unausstehlich macht. „Schach könne zuweilen sehr grausam sein“, räumt sogar die Meldung ein – natürlich vor allem für seine unschuldigen Bauernopfer.

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