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Massenhinrichtungen in Ost-Timor

Sydney/Jakarta/London (afp) — Die indonesische Armee hat nach Augenzeugenberichten ein neues Massaker in Ost-Timor angerichtet. Dies geschah offenbar, um Zeugen des ersten Blutbades am Dienstag vergangener Woche aus dem Weg zu räumen.

Vertreter der Nationalen Befreiungsfront von Ost-Timor FRETILIN berichteten in Australien, 60 junge Männer, die nach dem Trauerzug am vergangenen Dienstag festgenommen wurden, seien von Soldaten hingerichtet und in Massengräbern verscharrt worden. An der Aktion seien Soldaten des 700. und des 774. Bataillons der indonesischen Armee beteiligt gewesen. FRETILIN-Sprecher Ferreira versicherte, seine Gewährsmänner in Dili seien zuverlässig, könnten aber nicht beim Namen genannt werden, da ihr Leben in Gefahr sei.

Die indonesische Menschenrechtsorganisation Tapol berichtete in London ebenfalls unter Berufung auf namentlich nicht genannte Augenzeugen, indonesische Soldaten hätten am Freitag 80 Gefangene in Ost-Timor erschossen. Die Soldaten hätten die Häftlinge geschlagen und sie gezwungen, sich auszuziehen. Dann seien die Gefangenen mit Lastwagen nach Bemos transportiert worden, wo sie sich am Rand eines frisch ausgehobenen Massengrabes aufstellen mußten und erschossen wurden. Tapol zufolge verlegten die indonesischen Behörden außerdem viele Gefangenen aus Ost-Timor in andere Regionen, um sie der Kontrolle ausländischer Beobachter zu entziehen, die nach dem Massaker in Dili nach Ost-Timor entsandt worden waren.

Die indonesische Armee dementierte die Vorwürfe. Nach ihren Angaben waren nach dem Massaker vom 12. November 42 Personen festgenommen worden. Jakarta zufolge sind bei dem Massaker 19 Menschen getötet und 91 verletzt worden. Von unabhängiger Seite waren jedoch weit höhere Totenzahlen genannt worden.

Unterdessen ernannte die Regierung in Jakarta den Obersten Richter Jaelani zum Leiter einer Sonderkommision, die die damaligen Ereignisse untersuchen soll. Der von der indonesischen Besatzungsmacht eingesetzte Gouverneur von Ost-Timor, Mario Vergas Carrascalao, drohte nun mit seinem Rücktritt, falls das Ergebnis der von der indonesischen Regierung angekündigten Untersuchung zu dem Blutbad in Dili nicht objektiv ausfalle. Nur eine ehrliche und gründliche Untersuchung werde die Bevölkerung von Ost-Timor wieder Vertrauen zur Regierung fassen lassen, sagte der Gouverneur in einem am Montag veröffentlichten Interview der indonesischen Tageszeitung 'Berita Buana‘.

Die australische Regierung entsandte einen weiteren Diplomaten nach Dili, um den Berichten über das jüngste Blutbad nachzugehen.

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