piwik no script img

Marie hat 10 Waggons

■ Intercitys sollen jetzt nach berühmten Frauen heißen

Mainz (dpa/taz) — Die arme Bundesbahn hat's schwer. Jetzt muß sie sich was einfallen lassen. Intercity- Züge sollen nämlich demnächst auch nach berühmten Frauen heißen. Seit vor zwei Jahren Bettina von Arnim als erste Alibi-Frau den Weg auf die Geleise fand, sind bislang nur dünne drei Kameradinnen dazugekommen. Jetzt sollen aber 20 IC-Züge weiblich werden und weil der DB-Kreativstelle so viele Namen einfach nicht einfallen wollten, ließ man das Volk über Radio von der Ideenflaute wissen. Riesenecho: 1.000 Namen gingen ein.

Doch die Probleme sind noch nicht gebannt: Die betreffenden Frauen dürfen weder konfessionell noch ideologisch gebunden sein, was für Hildegard von Bingen oder Rosa Luxemburg das Aus bedeutet. Der Name muß leicht über die Lippen gehen — ein Minuspunkt für Elly Heuss-Knapp, Gründerin des Müttergenesungswerks. Und zu guter Letzt sollte die Zug-Patronin auch noch tot sein: Mutter Teresa, Hella von Sinnen, Hannelore Kohl, oder Dagmar Berghoff fallen damit durch. Auch auf einige Damen mit unumstrittenen Verdiensten um den Verkehr muß man verzichten: Josephine Mutzenbacher und Beate Uhse sind tabu. Bessere Chancen hat da schon Käthe Kollwitz oder Marie Curie.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen