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Magazin für WirtschaftLässig, links, Lohnarbeit

Wirtschaftsberichterstattung von links? Das Magazin „Surplus“ will es den verstaubten Bi­lanz­le­se­r*innen zeigen und kommt im hippen Design daher.

Lockt Linke: Surplus Foto: surplus magazin

Was sollte Wirtschaftsberichterstattung ausmachen? Niederschwellig, an Personen und nicht nur an Zahlen erzählt, fern von den großen, staubigen Konzepten, sollte man meinen. Das mittlerweile in der vierten Ausgabe erscheinende Surplus will genau das sein: linke Wirtschaftsberichterstattung für alle. Sie versprechen: „führende Ökonomen“ zu vereinen und „neue Ideen“ zu präsentieren inklusive „moderne Magazin-Gestaltung“.

Aber gelingt es den Herausgebern und ihrer Redaktion, die Versprechen umzusetzen?

Das Thema der aktuellen Ausgabe lautet „Kampf um Zeit“ und beschäftigt sich mit den Sommerlochdebatten unserer liebsten CDU-Politiker*innen. Da wäre zum einen Kanzler „wir müssen mehr arbeiten“ Merz oder Wirtschaftsministerin „wir müssen mehr leisten“ Reiche. In Interviews und Essays gehen namhafte Öko­no­m*in­nen wie Adam Tooze oder Isabella Weber den Fragen nach der Zukunft der Arbeit und des internationalen Handels nach. Auch Karl Marx bleibt natürlich nicht unerwähnt.

Das Magazin sieht hip aus, viele der Beiträge liefern spannende Denkanstöße, doch wer Pro­fes­so­r*in­nen schreiben lässt, erhält am Ende eben auch Texte voller Substantive und Fachbegriffe. Surplus ist ein Magazin für wirtschaftsinteressierte Le­se­r*inn­nen, die einen gewissen Kenntnisstand mitbringen. Bis auf eine Reportage über die Transformation der Lausitz bleiben die Beiträge theoretisch und wenig lebensweltlich.

Das Magazin

„Kampf um Zeit“, vierte Ausgabe von „Surplus“, am Kiosk und online.

Kritik an den Wirtschaftseliten und Privatiers gibt es dafür genug, ohne die Leute, die wirklich unter ihnen leiden, miteinzubeziehen. Surplus würde es nicht schaden, auch Ar­bei­te­r*in­nen aus dem Niedriglohnsektor zu Wort kommen zu lassen, als sie allein als Beispiel für die Verlierer unsere Wirtschaftssystems zu benennen. Bei einem Heftpreis von neun Euro wundert es nicht, wer sich diese Art von Wissen leisten kann. Und wer eben nicht.

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