Machtkampf beim Hamburger SV: Beiersdorfer "einvernehmlich" gefeuert
Der Chef des Fußballclubs HSV, Hoffmann, hat den vereinsinternen Machtkampf für sich entschieden: Sportchef Beiersdorfer muss gehen.
Hamburg dpa | Nach der Trennung von Sportchef Dietmar Beiersdorfer muss Fußball-Bundesligist Hamburger SV mit einem Notplan in die Vorbereitung der neuen Saison gehen. "Wir haben viel Zeit verloren bei der Saisonplanung. Aber wir sind handlungsfähig. Wir haben drei Vorstandsmitglieder", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker, nachdem er am späten Dienstagabend die Trennung von Beiersdorfer bekanntgegeben hatte. Im Machtkampf mit Vereinschef Bernd Hoffmann zog Beiersdorfer den Kürzeren.
Ein Nachfolger auf dem Stuhl des Sportchefs ist derzeit nicht in Sicht. Um die Personalplanungen im Team sollen sich jetzt Hoffmann und Ex-Profi Sergej Barbarez, der seit fünf Monaten dem Aufsichtsrat des Vereins angehört, kümmern.
Beiersdorfer war seit August 2002 Sportchef des HSV. Sein Vertrag sollte ursprünglich bis 2010 laufen. Gemeinsam mit Hoffmann, der sein Amt beim HSV im Februar 2003 antrat, hat er den Verein in sechs Jahren fünfmal in den Europacup geführt.
Der Aufsichtsrat hatte nach zweistündiger Beratung am Dienstag "einer einvernehmlich Auflösung des Vertrages mit Dietmar Beiersdorfer zugestimmt". Der Sportchef hatte sich in den vorangegangenen Tagen einen heftigen Streit mit Club-Chef Hoffmann geliefert. Es ging um unterschiedliche Auffassungen in der Transferpolitik und in der Bewertung der vergangenen Saison sowie um Differenzen bei der Abgrenzung der jeweiligen Kompetenzbereiche.
Der Sportdirektor hatte den Aufsichtsrat um Hilfe gebeten, da sich Hoffmann mehrfach ohne Absprache in die sportliche Planung der nächsten Saison eingeschaltet haben soll. Zum Einlenken war der gebürtige Franke nach den Erfahrungen aus mehreren Streitigkeiten mit Hoffmann in der Vergangenheit nicht mehr bereit. "Wir haben Dietmar Beiersdorfer nicht rausgeworfen. Es ist mehr oder weniger seine Entscheidung gewesen. Wir wollten ihn halten", sagte Becker. Er bedauere die Trennung. "Jetzt müssen wir aber in die Zukunft schauen und Ruhe in den Verein bringen."
Zwar hat der HSV als Tabellenfünfter erneut das internationale Geschäft erreicht, Hoffmann sieht aber Defizite auf sportlichem Gebiet, die er seinem Sportchef anlastete. Zudem bemängelte er dessen zögerliche Haltung bei Personalentscheidungen. Der Streit hat die gesamte Planung der neuen Saison nahezu zum Erliegen gebracht. Zehn Tage vor dem Trainingsauftakt der Mannschaft gibt es noch keine Neuverpflichtung.
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