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Lupenreiner Softpop

Die Holländer „Montezuma's Revenge“ sangen a cappella, glockenklar und bauchfrei im Tivoli  ■ Von Karin Liebe

Montezumas Rache ist seidenweich. Trotz Tattoos, Trockeneisnebel und Maschendrahtzäunen. Da können sich die fünf gut gebauten Jungs aus den Niederlanden noch so kräftig gegen Absperrgitter werfen und wild die Fäuste ballen – wenn sie den Mund aufmachen, kommt lupenreiner Softpop heraus. Nicht mehr und nicht weniger.

In Pursuit of Pleasure nennt Hollands erfolgreichste A-capella-Band ihr neues Programm, mit dem die nicht mehr ganz junge Boygroup derzeit durch Deutschland tourt. Einen Abend lang spendete sie dem begeisterten Hamburger Publikum im Tivoli vorweihnachtliche Freude. Ein paar durchaus gelungene Ausflüge ins Reich der Raps und ins wilde „Nirvana“-Land konnten nicht darüber hinwegtäuschen: Montezuma's Revenge sind keine düsteren Racheengel, wie ihr Bandname suggeriert, sondern gehören gemäß ihrem Programmtitel in die lichte Kategorie der Freudenbringer. Mit glockenklaren Stimmen intonieren sie vorzugsweise Schmusepop-songs, die auf jeder Weihnachtsfeier für glänzende Augen sorgen würden.

Okay, ihr Outfit ist nicht im Stil der fünf heiligen Könige: Netzhemd und Lederhose, hautenges T-Shirt und bauchfreier Fummel haben und erfüllen die Funktion, kräftige Oberarmmuskeln und knackige Ärsche recht gut zur Geltung zu bringen. Doch die laszive Kleidung hält nicht, was sie verspricht. Keine obszönen Gesten, dafür brav einstudierte Schrittfolgen. Kein sexy Charme, sondern angestrengte Gesichter. Sei's drum. Dafür können alle um so prächtiger singen. Ein satter Baß, zwei volle Baritone, ein mädchenhaft weicher Tenor und eine rockige Röhre. Dazu leider konventionelle Arrangements, Bom-bom-Baß-Rhythmen ohne jegliche schräge Aussetzer. Selbst die „Take That“-Persiflage ist so brav wie das Boygroup-Original, auch wenn sich die Mengroup – huch! – in den Schritt greift.

Bei ihrer Version von John Lennons Urschreigebrüll „Mother“ wird der Weichspüleffekt am unangenehmsten. Lennons gutturales Geschrei glättet die Band in einen technisch sauberen Gesang, der gepflegt nach Mutti ruft. Was die netten Jungs von nebenan aber wirklich können: Balladen singen. Princes „Sometimes it snows in April“ legen sie völlig schmalzlos zu einer zeitlos schönen Melodie frei. Die sich im Bett zum nervtötenden Ohrwurm dreht. Das also ist Montezumas Rache.

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