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Lokalkoloratur

■ Die Heilsarmee

LOKALKOLORATUR

Eigentlich gilt die die Heilsarmee in St.Pauli als ein rühriges Unternehmen, das Penner und Junkies füttert und bekleidet und von ihnen dafür nur ein kleines Gebet verlangt. Mitten im bekanntesten Sündenpfuhl der Welt

halten die paar uniformierten Aufrechten Gottes Wort in Ehre und fallen höchstens störend auf, wenn sie auf der Reeperbahn ihre christlichen Gesangsgottesdienste rücksichtslos über Megaphon verstärken. Doch nun hat Uwe H., Plakatkleber des Missionsteams, einmal ausnahmsweise seinen Gefühlen, die gegen die unverhüllte Darstellung sekundärer Geschlechtsmerkmale protestierten, freien Lauf gelassen. Er habe sich von anderen Plakatklebern „persönlich provoziert“ gefühlt, als diese, unter Beigabe eines zotigen Spruchs, ihm ein lebensgroßes, halbnacktes Porträt von Cindy Crawford vor die Nase pappten. Jede christliche Gelassenheit ablegend, überklebte Uwe H. den Brustbereich der Schauspielerin, mit der eine Kinozeitung Werbung macht. Da half es ihr auch nichts, daß sie diesen schon selbst mit den Händen bedeckt. Einige Tage lang klebte nun ein rosa Viereck mit der Aufschrift „...weil Jesus lebt!“ zwischen Kopf und Unterleib der Schönen. An anderer Stelle verschwand sie gleich ganz hinter den Plakaten, die auf ein Straßenfest hinweisen. Da Zorn eine Todsünde ist, muß Uwe jetzt zehn Rosenkränze beten. tlb

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