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Lokalkoloratur

Im tropisch heißen Dar es Salaam hängt sein Portrait in jeder noch so winzigen Kneipe, meistens unweit des atemspendenden Ventilators, an einem Ehrenplatz also. Und wenn es um knifflige Fragen wie Bürgerkrieg, Wasserknappheit oder die Privatisierung von Staatskapital auf dem afrikanischen Kontinent geht, ist Julius Nyerere sowieso ein gern gesehener Gast – in Fernseh-Talkshows, Rundfunk- und Zeitungsinterviews. Denn der 77jährige gilt als einer der profiliertesten Politiker Afrikas. Unter seiner Führung erlangte die damalige britische Kolonie Tanganyika, benannt nach dem gleichnamigen See in Ostafrika, die Unabhängigkeit. Nach der Vereinigung im Jahr 1964 mit der Gewürzinsel Sansibar zur Vereinigten Republik von Tansania war Nyerere 21 Jahre lang Staatspräsident. Ihm gelang es, Tansania zu einem blockfreien Staat zu machen, der sowohl von den USA als auch der UdSSR umworben wurde. Nur andere Parteien mochte Nyerere nicht dulden. Über die Einführung des Mehrparteiensystems in Tansania diskutierte Nyerere erst gestern – mit Hamburgs Bürgermeister Ortwin Runde. Der Sozialdemokrat soll, so wurde gemunkelt, Nyerere aus eigener Erfahrung versichert haben, daß eine bunte Parteienlandschaft kein Hindernis sei, sich jahrzehntelang an der Macht zu halten. hh

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