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■ QuerspalteeLob des Ungefähren

An manchen Tagen im Herbst ist man sehr positiv gesinnt und schlendert gern in Stiefeln von Hertie mit flauschigen Lämmcheneinlegesohlen aus dem gleichen Geschäft durch die Gegend und findet das Internet toll. Eine runde Sache! Eine Bereicherung sozusagen. Wobei ich selber erst seit kurzem dabei bin, mich mit der Sache vertraut zu machen. Das heißt, bei mir steht das noch gar nicht, sondern Anselm ist der hiesige Internetbesitzer und wohnt ein Stockwerk weiter. Was allerdings auch sehr prima ist im Sinne der wechselseitig sich verbessernden Verbindung von Modernem und Archaischem, Oralität, Schrift, sommerlicher Vergnügungssucht und herbstlicher Melancholie oder konkret: Vor einigen Monaten erreichte mich über diverse Umwege die erste E-Mail. Das ist wie Nutella mit Rama in Kindertagen, dachte ich ungefähr und antwortete wenig später via Anselm.

So geht das dann hin und her. Klasse! Morgens, wenn Anselm zur Arbeit geht, steckt er mir ein Briefchen mit neuer E-Mail in den Briefkasten; abends antworte ich. Wie und wann meine Internetfreundin meine Botschaften kriegt, weiß ich nicht. Meist unterhalten wir uns über einen Kaiser's- Markt, einen sozusagen virtuellen Kaiser's-Markt, weil wir eben den Kaiser's-Markt meinen, der vor einigen Wochen mit sicher lobenswerten Intentionen „abgefackelt“ wurde, wie man in Berlin zu sagen pflegt. Toll ist, daß wir ständig alles verwechseln. Jeder möchte ja Stammgast in dem niedergebrannten Kaiser's-Markt in Prenzlauer Berg gewesen sein. Im Zuge der Verwechslungen sind wir zu ExpertInnen geworden, wir lernen viel. Es gibt zum Beispiel Kaiser's-Märkte, wo man Markstücke reinstecken muß und bei anderen nicht! Um unser Vergnügen nicht zu mindern, weigerten wir uns ein paar Wochen, das ordentlich zu verifizieren. Jetzt haben wir leider doch rausgekriegt, wo der abgebrannte Kaiser's mal stand. Bald kriegen wir bestimmt ein kleines Tamagotchi! Schöner und interessanter als die sogenannten Fakten ist jedenfalls das Ungefähre. Soinetwa Kuhlbrodt

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