Lob an die Wahlhelfer und -helferinnen: Die, die wirklich zählen

Die Freiwilligen in den US-Wahllokalen verdienen größte Hochachtung. Sie machen ihren Job, während vor der Tür gegen sie protestiert wird.

Eine Wahlhelferin schüttet eine Box mit Wahlbriefen aus

Für die Demokratie: Wahlhelferinnen in Portland Foto: Paula Bornstein/ap

Jede Stimme zählt, schon klar. Aber wer außer den „lesenden Arbeitern und Arbeiterinnen“ hat sich je ein Bild davon gemacht, was das wirklich bedeutet? Wer zählt denn eigentlich?

Seit Tagen sieht die ganze Welt Tausenden Freiwilligen in den USA zu, wie sie in Schulen, Turnhallen, Kongresszentren und an anderen schlecht belüfteten Orten mit Masken oder Plastikschilden vor dem Gesicht Wahlzettel aus gelben Kästen holen, Wahlzettel aus Briefumschlägen holen, Wahlzettel glatt streichen, Wahlzettel angucken, Wahlzettel kontrollieren, Wahlzettel erneut kontrollieren, Wahlzettel wieder weglegen.

Sosehr sich die Kollegen und Kolleginnen von CNN die Liebeserklärungen und Hochachtungsbekundungen verdient haben, so sehr hätten sich auch die Auszähler und Auszählerinnen massenweise Liebeserklärungen und Hochachtungsbekundungen verdient. Ich jedenfalls liege diesen Freiwilligen zu Füßen, in deren Händen die Zukunft der Demokratie in den USA liegt.

Nicht auf ihren Schultern, aber in ihren Händen liegt die ganze Verantwortung dafür, dass nicht passiert, was Donald Trump gern hätte: dass die Demokratie unbrauchbar würde. Kein einziger dieser Freiwilligen darf einen Fehler begehen. Jeder Fehler würde Donald Trump in die Hände spielen, dem Präsidenten, der die Auszähler und Auszählerinnen als Betrüger bezeichnete.

Klar ist, wer die Helden sind

Jede Handbewegung dieser Freiwilligen steht unter akribischer Beobachtung. Sie machen ihren Job, obwohl der Präsident ihres Landes gefordert hat, ihn zu beenden. Sie machen ihren Job, obwohl vor ihren Türen dagegen protestiert wird.

Einer dieser Freiwilligen ist übrigens gestorben. Angeblich hat er sich das Coronavirus eingefangen. Vor der Wahl. Und ist, obwohl er wusste, dass er infiziert ist, zur Arbeit gegangen. Auch das gehört zu dieser Geschichte dazu. Möglicherweise hat Donald Trump diesen Mann um sein Leben betrogen, weil er die Pandemie nicht ernst genug nahm. Möglicherweise ist Joe Biden der nächste Präsident der USA.

Klar ist, dass die Helden der Prä­sidentschaftswahl 2020 die Auszähler und Auszählerinnen sind, deren Namen nicht am unteren Bildschirmrand im Fernsehen eingeblendet ­werden.

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Seit 2012 Redakteurin | taz am Wochenende. Seit 2008 bei der taz als Meinungs, - Kultur-, Schwerpunkt- und Online-Redakteurin, Veranstaltungskuratorin, Kolumnistin, WM-Korrespondentin, Messenreporterin, Rezensentin und Autorin. Ansonsten ist ihr Typ vor allem als Moderatorin von Literatur-, Gesellschafts- und Politikpodien gefragt. Manche meinen, sie kann einfach moderieren. Sie meint: "Meinungen hab ich selbst genug." Sie hat Religions- und Kulturwissenschaften sowie Südosteuropäische Geschichte zu Ende studiert, ist Herausgeberin der „Jungle World“, war Redakteurin der „Sport-BZ“, Mitgründerin der Hate Poetry und Mitinitiatorin von #FreeDeniz. Sie hat diverse Petitionen unterschrieben, aber noch nie eine Lebensversicherung.

Am 3. November 2020 haben die USA einen neuen Präsidenten gewählt: Der Demokrat Joe Biden, langjähriger Senator und von 2009 bis 2017 Vize unter Barack Obama, hat sich gegen Amtsinhaber Donald Trump durchgesetzt.

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