Lieber wieder grüner: Die Abstandshalter

Nach der schwarz-grünen Einigung in Hamburg bemüht sich die Führung der Bundesgrünen um Distanz zur CDU.

Grün soll nicht zu schwarz werden: Die Grünen-Führung will sich distanzieren Bild: rtr

BERLIN taz Als Vorbild für den Bund wollten die führenden grünen Bundespolitiker die schwarz-grüne Einigung in Hamburg gestern keinesfalls verstanden wissen. "Hamburg und der Bund sind zwei verschiedene Paar Stiefel", sagte die Parteivorsitzende Claudia Roth. "Die Union ist in vielem von gestern. Ihr Abstand zu uns Grünen ist auf Bundesebene sehr groß", ergänzte ihr Kovorsitzender Reinhard Bütikofer.

Der designierte Spitzenkandidat zur Bundestagswahl im kommenden Jahr, Jürgen Trittin, erklärte, die besonderen Umstände in der Hansestadt hätten ermöglicht, was etwa im angeblich so sehr Schwarz-Grün zuneigendem Baden-Württemberg trotz wiederholter Versuche nicht gelungen sei. "Die CDU im Ländle ist repräsentativer als Hamburg", sagte Trittin der taz. In der Tat sei davon auszugehen, dass Kanzlerin Angela Merkel und ihre relativ liberalen Zuarbeiter auf Bundesebene ein großes Interesse an einem schwarz-grünen Bündnis in Hamburg habe. Doch "der FDP eine machttaktische Alternative zu zeigen, ist noch lange keine neue programmatische Ausrichtung der CDU. Das sollte man nicht verwechseln", sagte Trittin.

Er verwies darauf, dass die Grünen ihr Programm wiederum stetig eher nach links korrigierten. Die Beschlüsse des Länderrats vor zwei Wochen seien "mit Sicherheit kein Koalitionsangebot an die CDU" gewesen und so gelagert, dass "sich Schwarz-Grün sicherlich nicht als erste Priorität aufdrängt". Wie seine Ko-Spitzenkandidatin Renate Künast stellte Trittin erneut als für die Grünen wünschenswerte wahrscheinlichste Koalition die Ampel aus SPD, FDP und Grünen in den Vordergrund.

In die unübersichtliche Landschaft neuer Koalitionsmöglichkeiten passte gestern die Nachricht, dass der grüne Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, ein lang ersehnter Kandidat für die Nachfolge Bütikofers als Parteichef sein könnte. Ratzmann hat sich als Exponent einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP ins Gespräch gebracht, gehört aber formal dem linken Parteiflügel an, wobei er wie seine Ziehmutter Künast diese Zuordnung hinter sich gelassen hat.

Allerdings könnte die Flügelarithmetik Ratzmanns Wahl verhindern. Denn der Realoflügel, dem die Besetzung des Bütikofer-Postens obliegt, erkennt ihn nicht als einen der seinen an. Der Abgeordnete Omid Nouripour, der die Flügeltreffen der Realos organisiert, sagte zur taz: "Wer bislang mit so großer Verve Jamaika vor sich hergetragen hat, wird nicht zur Integration der Partei beitragen." Die Gerüchte, dass der Generationenwechsel ausfällt und der jetzige Fraktionschef Fritz Kuhn Nachfolger Bütikofers werden will, verstummten auch gestern nicht.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben