■ Das Portrait: Lia Wöhr
Die Fernsehwirtin Foto: AP
Wenn die Bembel Trauer tragen: Lia Wöhr, resolute Wirtin der legendären ARD- Musikshow „Blauer Bock“, ist tot. Sie starb in der Nacht zum Dienstag 83jährig in einer Frankfurter Klinik. Wöhr darf neben Heidi Kabel als die starke Frau aus der Frühphase des deutschen Fernsehens gelten, eine, die nie auf Männer angewiesen war, eine „eiserne Junggesellin“ (O-Ton Wöhr), der die Kerle ziemlich schnuppe waren.
Schon lange bevor sie 1965 als Chefin der TV-Kellner Heinz Schenk und Reno Nonsens im „Blauen Bock“ auf den Schirm ging, war sie 1957 der erste weibliche Programmproduzent der ARD geworden. Für den Hessischen Rundfunk kreierte sie die Radiosendung „Das Hessenmädel“ und sprach die Mutter Hesselbach. Im Fernsehen wechselte sie die Rolle und gab in der erfolgreichen Familiensaga die Hesselbachsche Putzfrau Siebenhals mit dem böse babbelnden Maul.
Als Produzentin betreute Lia Wöhr neben „ernsten“ Sendungen wie der Kassandra und Strawinskys „Feuervogel“ auch Kulenkampffs Quiz „Acht nach Acht“ sowie den „Blauen Bock“ und später die „Montagsmaler“.
Begonnen hatte die frühe Karrierefrau in den 20er und 30er Jahren als Schauspielerin, Soubrette, Tänzerin und Souffleuse. Sie trat auch im Kabarett und in Revuen auf. Ab 1935 arbeitete sie am Frankfurter Schauspiel. Nach dem Kriegsende wurde sie Regieassistentin an der Oper, führte später selbst Opernregie und inszenierte Wagner und Verdi in Rom, Madrid und London.
Parallel zu ihrer Radio- und TV-Karriere spielte Wöhr weiter Theater und war bis vor wenigen Monaten auch noch auf der Bühne zu sehen. Neben der Rolle als Miss Marple spielte sie in „Arsen und Spitzenhäubchen“ sowie in Volkstheaterstücken. Auch in den „Tatort“-Krimis aus Frankfurt war sie zu sehen.
Im „Blauen Bock“, der tümelnden Sendung aus dem „Ebbelwoi-Milieu“, sorgte die Wöhr für die Westbindung, indem sie internationale Opernstars im Dutzend anschleppte. Das machte zusammen mit den Schlagersternchen und den Schenk'schen Kalauern die Mischung aus, die sich 30 Jahre lang auf dem Schirm hielt.
6.500 der Bembel genannten Apfelwein-Krüge gingen in dieser Zeit als Gastgeschenke über den Tresen. Jetzt sind die Engel dran. Mit den grau-blauen Staubfängern aus Ton ausgerüstet, lernen sie gerade das Babbeln und Schunkeln. Regie: Lia Wöhr. Hans-Hermann Kotte
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