Leser über Protest gegen Regionalzeitung: „Zu stark rechts abgebogen“
Warum die „Neue Osnabrücker Zeitung“ alte Papierausgaben zurückbekommt, erklärt Stefan Rümmele von der BürgerInneninitiative „Aktion-NOZ-kritisch“.
Foto: Friso Gentsch/dpa
taz: Herr Rümmele, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) denken?
Stefan Rümmele: Traditionell.
taz: Und als Zweites?
Rümmele: Zu stark rechts abgebogen.
taz: Woran machen Sie das fest?
Rümmele: Seit Burkhard Ewert Chefredakteur ist, hat sich das Blatt stark auf Parteien zubewegt, die an den politischen Rändern stehen. Unser Eindruck ist: Ewert verharmlost da vieles aus Überzeugung. Und er tut das unter Duldung, vielleicht sogar auf Weisung der Geschäftsführung.
taz: Mitte September tritt Ihre „Aktion-NOZ-kritisch“ (ANK) der NOZ mit einer performativen Protestaktion entgegen, vor deren Redaktionssitz. Was passiert da genau?
Rümmele: Wir zeigen dort, wo der Mantelteil entsteht, dass es uns um den politischen Teil der Zeitung geht …
taz: … den ja inzwischen viele Lokalzeitungen mit einer Auflage von rund einer Million Exemplaren übernehmen.
Rümmele: Wir geben der NOZ Druckexemplare dieses Mantels zurück, weil er für uns nicht mehr annehmbar und inakzeptabel ist. Mit dem Lokalteil ist das übrigens anders. Auf unseren Treffen hören wir oft: Der ist noch immer lesbar.
„Annahme verweigert, da einseitig und ungenießbar!“ der „Aktion-NOZ-kritisch“ (ANK): Mittwoch, 16. September 2026, 17 Uhr, vor dem Hauptsitz der Neuen Osnabrücker Zeitung, Breiter Gang 10-16, Osnabrück
taz: Wie beteiligen sich LeserInnen, die die NOZ nur noch digital lesen?
Rümmele: Mitmachen kann natürlich jede und jeder. Auch die, die ihr NOZ-Abo längst gekündigt haben – wie ich selbst. Alle anderen sammeln fleißig Papierausgaben, und die verteilen wir dann.
taz: Sie wollen die Mantelteile „der Redaktion“ zurückgeben, kündigen Sie an. Rechnen Sie damit, dass VertreterInnen der Redaktion zur Übernahme nach draußen kommen? Oder gehen Sie rein?
Rümmele: Wir gehen nicht davon aus, dass sich jemand von der Redaktion zeigt. Unser Eindruck ist, dass die NOZ inzwischen die Taktik verfolgt, uns zu ignorieren, uns totzuschweigen. Um nicht zu viel zu verraten: Wir werden aktiv sein, mit Überraschungsmomenten. Wir stehen da nicht einfach nur passiv vor der Tür. Und wir werden unsere Position auch schriftlich übergeben, vielleicht in Briefform.
taz: Sie werfen der NOZ vor, in ihrer Kommunalwahl-Berichterstattung der AfD eine zu große Bedeutung zu geben. Wie äußert sich das?
Rümmele: Wir haben die Wahlberichterstattung der NOZ ausgewertet. Auffallend ist: Die AfD ist die einzige Partei, deren Kandidaten stets groß zu sehen sind, mit großem Parteilogo im Hintergrund. Das wirkt fast wie Parteiwahlwerbung. Die Redaktion arbeitet der AfD damit stark in die Hand.
taz: Sie denken, das ist Agenda Setting? Sprich: Worüber viel berichtet wird, das halten die Lesenden für das wichtigste Thema im Land, obwohl es das nicht ist?
Rümmele: Zumindest gilt das für den Westen der Republik, und die NOZ ist größtenteils eine West-Zeitung. Da wird für die AfD eine Bedeutung herbeigeschrieben, die dieser Partei nicht zukommt.
taz: Was denken Sie über die AfD?
Rümmele: Ich schäme mich als Deutscher dafür, dass eine solche Partei, die sich immer weiter radikalisiert, die immer weiter eskaliert, diese Popularität und Stärke erlangt hat. Das ist eine Schande.
taz: Wie groß ist der Zuspruch für die ANK?
Rümmele: Wir haben sehr aktive Unterstützer. Und das ist geografisch weit gefächert, von Leer über Lingen bis Hameln. Vielleicht gründen wir da demnächst kleine Ortsgruppen. Auch Timm Reichl ist Mitglied bei uns, der in seinem NOZblog all diese Beiträge seziert, die ja mitunter auch starke Putin-Nähe zeigen.
taz: Welcher Satz, den Sie in den letzten Wochen in der NOZ über die AfD gelesen haben, hat Sie besonders empört?
Rümmele: In einem Meinungsbeitrag hat Philipp Ebert, bei der NOZ offenbar der neue Mann fürs Grobe, vor Kurzem gesagt, ein Wahlerfolg der AfD wäre ein normaler Korrekturmechanismus. Da fragt man sich natürlich: Korrektur von was? Der Demokratie?
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