piwik no script img

■ Leerstellen im FusionsvertragEs fängt erst an

Nein, das Ringen um die Länderfusion ist längst nicht beendet. Mehr als eine Zwischenetappe ist der Vertragsentwurf nicht. Das Papierwerk ist vielmehr bestimmt vom Versuch, die auch schon vor drei Jahren bekannten Streitpunkte in ein diplomatisches Wortgewand zu hüllen und gleichzeitig den Weg zum eigentlichen Ziel zu skizzieren. Den Vertragsentwurf mit seinen inhaltlichen Leerstellen und Formelkompromissen mit Leben erfüllen, diese Arbeit fängt jetzt erst richtig an. Trotzdem ist die Bedeutung des Vertragsentwurfs nicht zu unterschätzen. Er soll das gegenwärtig Erreichbare in Form bannen, soll festhalten, was bereits drohte, im kommenden Berliner Wahlkampf unterzugehen. Es sind Landmarken gegen die tägliche Erosionsarbeit der Fusionsgegner.

Deshalb sind im Vertragsentwurf nicht die getroffenen Vereinbarungen entscheidend, zentral ist vielmehr die Fixierung eines politischen Prozesses. Das ist Politik mit den Mitteln der Psychologie. Sie zielt darauf, in den Köpfen der Menschen als Realität zu verankern, daß die beiden Länder unwiderruflich auf dem Fusionspfad voranschreiten, auch wenn das bislang nur Wunschdenken ist. Das scheint gelungen. Gegen die Blockade insbesondere aus den Reihen der Berliner CDU-Fraktion war es psychologisch wichtig, das Fusionsjahr dem Volk zur Entscheidung zu überlassen und damit die aufs Eigenwohl fixierten Parteilobbyisten auszuhebeln. Kein Politiker kann solch ein demokratisches Verfahren kritisieren – auch wenn manche es wollten. Unter Dach und Fach ist der Fusionsvertrag damit längst nicht. Aber den Zusammenschluß zum Scheitern zu bringen, ist schwerer geworden. Gerd Nowakowski

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen