Lance Armstrong ist wieder da: Schwerer Rückfall

Mit Lance Armstrong kehrt der prominenteste Vertreter der Generation Epo in den Profiradsport zurück.

Wenn es nur um Schampus ginge... Bild: dpa

Er will es wirklich tun. Lance Armstrong will noch einmal die Tour de France fahren und gewinnen. Die Vorbereitungen laufen seit einiger Zeit. Vor vier Monaten schon ist der Amerikaner in das Kontrollsystem des Radsportweltverbandes (UCI) aufgenommen worden. Wenn die neue Saison im Februar startet, wird er weit mehr als die sechs vorgeschriebenen Monate im Blutpass-Programm der UCI mitgelaufen sein. "Es gibt nichts, was seine Rückkehr aufhalten kann", sagte UCI-Präsident Pat McQuaid. Auch der Direktor der Tour de France, Christian Prudhomme, der das Team Astana, die übelste Dopingrenngruppe des Jahres 2007, von der diesjährigen Tour fernhalten konnte, sagte: "Wir werden ihn akzeptieren." Freut er sich etwa schon auf die große Armstrong-Show? Dem Comeback des siebenfachen Toursiegers scheint nichts mehr im Weg zu stehen. Der erfolgreichste Vertreter der berüchtigten Generation Epo kehrt in das Peloton zurück. Der Radsport, eine Sportart in Rekonvaleszenz, erleidet einen schweren Rückfall.

Wenn Armstrong 2009 sein erstes Rennen bestreitet, dann könnte er auf einen alten Bekannten treffen: auf Filippo Simeoni, den amtierenden italienischen Straßenmeister. Den kann Armstrong auf den Tod nicht ausstehen. Er zettelte während der Tour 2003 einen regelrechten Kleinkrieg gegen den Italiener an. Als Träger des Gelben Trikots unternahm er alles, um den Italiener, der im Gesamtklassement weit zurücklag, an einem Etappensieg zu hindern. Armstrong damals: "Simeoni will den Radsport kaputtmachen." Warum der große Armstrong den weithin unbekannten Italiener nicht leiden konnte? Simeoni war einer der Ersten, die das große Schweigen im Radsport beendet haben. Er sagte als Kronzeuge im Prozess gegen den später verurteilten Michele Ferrari, den als Dopingarzt bekannt gewordenen Armstrong-Intimus und -betreuer jener Jahre, aus. Simeoni war es, der Armstrong mit seiner Aussage in die Nähe der Epo-Szene gerückt hat. Armstrongs heftige Reaktionen darauf veranlassten Simeoni zu folgendem Satz: "Jetzt hat er seinen wahren Charakter gezeigt!"

Zwei Jahre später konnte die französischen Sportzeitung lÉquipe den Nachweis erbringen, dass Armstrong bei seinem ersten Toursieg 1999 mit Epo gedopt hatte. Eine tiefgefrorene Urinprobe aus jenem Jahr konnte dem Amerikaner zugeordnet werden. 1999 konnte Epo im Urin noch nicht nachgewiesen werden. 2005 war der Fall verjährt, Armstrong hatte seine Karriere bereits beendet. Um Fälle wie den Armstrongs ahnden zu können, wurde in den neuen Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur der Passus festgeschrieben, dass Dopingproben acht Jahre lang aufgehoben werden sollen. Jetzt können Sportler im Nachhinein betraft werden, wenn ihnen durch neue Analysemethoden der Betrug an anderen Athleten nachgewiesen wird.

Damals gab es so eine Regel nicht. Armstrong wurde nie wegen Doping gesperrt. Sein Strafregister ist rein. In seiner Heimat gilt er als unbefleckter Wunderathlet, der nach einer Krebserkrankung zum besten Radler der Welt wurde. Dass eine seiner Physiotherapeutinnen ausgesagt hat, sie habe für ihn leere Spritzen entsorgen müssen, dass einer seiner früheren Teamkollegen ein Gespräch mitgehört hat, in dem Armstrong seinem Arzt erzählt hat, was er alles einschmeißt (Epo, Testosteron, Wachstumshormone und Kortison) - sportrechtlich hat Armstrong all das nichts anhaben können. Deshalb darf er nun als sauberer Athlet zurückkehren.

Johan Bruyneel, der Armstrong als sportlicher Leiter zu sieben Toursiegen geführt hat, würde seinen ehemaligen Vorzeigeradler gerne wieder betreuen. "Ich habe ein Team und kann mir nur schwer vorstellen, Lance bei einem Rennen in einem CSC- oder Rabobank-Trikot zu sehen." Bruyneels Team: Astana. Oh, mein Gott!

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