: Kurde belastet PKK-Angeklagte
■ Wegen Mordes Angeklagter sagt in Berlin gegen angeklagte PKK-Funktionäre von Düsseldorf aus
Berlin (taz) - Der in Berlin wegen Mordes vor Gericht stehende 36jährige Kurde Ali Cetiner hat gestern den im Düsseldorfer Mammutprozeß gleichfalls wegen Mordes angeklagten PKK-Angehörigen Ali Aktas schwer belastet. Der ehemalige leitende Parteifunktionär der kurdischen Arbeiterpartei (PKK), Ali Cetiner, gilt als Kronzeuge der Generalbundesanwaltschaft. Er soll als erster Angeklagter in der bundesdeutschen Justizgeschichte in den Genuß des umstrittenen Kronzeugen-Strafrabatts kommen - vorausgesetzt, die 27. Strafkammer des Berliner Landgerichts spielt mit.
Die Berliner Staatsanwaltschaft legt Cetiner zur Last, zusammen mit dem in Düsseldorf gesondert verfolgten Aktas in Berlin im Juni 1984 den Parteidissidenten Murat Bayrakli liquidiert zu haben. Der mit einem Stoffknebel erstickte Bayrakli war halbverbrannt auf einer Müllkippe aufgefunden worden.
In seiner gestrigen Aussage vor Gericht schob Cetiner die Ausführung der Tat Ali Aktas zu, indem er behauptete, Aktas sei dafür „verantwortlich“, daß Bayrakli gefoltert und erdrosselt worden sei. Als eigenen Tatbeitrag räumte Cetiner ein, daß er das Todesurteil zusammen mit dem PKK-Funktionär „Sadun“ gefällt habe. Seine Aufgabe, so Cetiner, sei es gewesen, den gefangengenommenen Bayrakli zu befragen, ob dieser tatsächlich, wie von der Parteispitze behauptet, Kurierdienste für die PKK-Dissidentengruppe „Semir“ und die „jungen Kemalisten“ geleistet habe. Bei dem Verhör habe sich dann aber herausgestellt, daß „der Vorwurf nicht zutrifft“. „Da habe ich versucht, Zeit zu gewinnen damit das Opfer entweder flüchten oder die Entscheidung revidiert werden kann“, behauptete Cetiner.
Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, ob er denn versucht habe, die Entscheidung rückgängig zu machen, erklärte der Angeklagte, „geschwiegen“ und kurz vor der Tat die Wohnung verlassen zu haben. Als Grund dafür nannte er „Angst“ vor der PKK, vor Aktas und dessen zwei Mittätern, die „in größtem Maße fanatisch und durch die Terroratmosphäre beeinflußt“ gewesen seien. Der Prozeß wird am Donnerstag fortgesetzt.
Plutonia Plarre
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen