Kritik nimmt zu

Pegida konkurriert mit Social Freezing

Die CSU trage eine Mitschuld am Erfolg der Pegida, sagt Grünen-Chefin Simone Peter. Außerdem könnte Pegida das „Unwort des Jahres“ werden.

Karl Lempert hat die Online-Petition „Für ein buntes Deutschland, NoPegida“ initiiert. Bild: dpa

BERLIN afp/dpa | Grünen-Chefin Simone Peter hat der CSU eine Mitschuld am Erstarken der islamfeindlichen Bewegung Pegida gegeben. Gerade die CSU sei es, „die immer wieder Ressentiments gegen Zuwanderung schürt“, sagte Peter der Zeitung Die Welt.

Wer am Küchentisch die Muttersprache verbieten wolle, dürfe sich hinterher nicht darüber wundern, wenn „Parteien und Gruppen am rechten Rand“ Zulauf erhielten. Die CSU habe die Alternative für Deutschland (AfD) stark gemacht „und macht nun Pegida stark“, sagte Peter der Zeitung. Derzeit organisiert die Bewegung regelmäßig islamfeindliche Kundgebungen in Dresden, in anderen Städten gibt es mittlerweile Ableger.

Die CSU hatte kürzlich mit einem Leitantrag zum Deutschlernen für Migranten für eine heftige Debatte gesorgt und den Text anschließend abgemildert. Vor knapp einem Jahr hatte die CSU mit dem Slogan „Wer betrügt, fliegt“ Sanktionen gegen Zuwanderer verlangt, die zu Unrecht Sozialleistungen in Deutschland in Anspruch nehmen.

Peter wertete die CSU-Positionen zur Zuwanderung als Hindernis für ein mögliches schwarz-grünes Regierungsbündnis auf Bundesebene. „Gegen Schwarz-Grün sprechen zur Zeit die abstrusen Vorstellungen der CSU zu Zuwanderung“, sagte Peter.

Unwort des Jahres?

Pegida spaltet Deutschland: In Dresden haben zuletzt etwa 17 500 Menschen gegen die angebliche Überfremdung Deutschlands demonstriert. Im Internet haben bisher mehr als 200.000 Menschen //www.change.org/p/1-mio-unterschriften-gegen-pegida-nopegida:die Online-Petition NoPegida unterschrieben. Nun ist die Abkürzung für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ mehrmals für das „Unwort des Jahres 2014“ vorgeschlagen worden, wie die Darmstädter Professorin Nina Janich von der sprachkritischen Jury mitteilte.

Eingereicht werden können Begriffe, die gegen die Menschenwürde verstoßen oder gegen Prinzipien der Demokratie. Genannt werden können auch Formulierungen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die beschönigend, verschleiernd oder gar irreführend sind.

Das Unwort wird am 13. Januar 2015 in Darmstadt bekanntgegeben. Insgesamt seien bisher knapp 1.200 Einsendungen eingegangen, sagte Janich. Einen Favoriten unter den Vorschlägen gebe es nicht. Für 2013 hatte es insgesamt 1.340 Einsendungen gegeben.

Zu den häufiger genannten Vorschlägen gehören auch „Putin-Versteher“ und „Social Freezing“. Als „Putin-Versteher“ werden abschätzig Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt bezeichnet. Es kommt laut Janich wegen der Nennung eines Eigennamens als Unwort eher nicht in Betracht.

Auch „Halbwesen“ und „Tugendterror“ eingereicht

„Social Freezing“ bezeichnet das Einfrieren von Eizellen, damit Frauen wegen der Karriere Kinder auf später verschieben können. Eingereicht wurden auch Begriffe wie „Halbwesen“ (die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff über Retortenkinder) und „Tugendterror“ (im Titel eines Buches des umstrittenen Autors Thilo Sarrazin).

Zum „Unwort des Jahres“ 2013 war „Sozialtourismus“ gewählt worden. Damit sei gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer insbesondere aus Osteuropa gemacht worden, hieß es in der Begründung.

Die „Unwort“-Jury richtet sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschläge, sondern entscheidet unabhängig. Der Begriff „Opfer-Abo“, der zum „Unwort des Jahres 2012“ gewählt worden war, war nur einmal vorgeschlagen worden. Die Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten.

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