■ Kosovo-TV: Berichterstattung im Konjunktiv
Hamburg (dpa) – Der Kosovo-Krieg sorgt im deutschen Fernsehen auch nach vier Wochen für hohe Einschaltquoten: „Das Interesse ist ungebrochen“, sagt Peter Mezger, Auslandschef beim Bayerischen Fernsehen. Der Münchner Sender ist bei der ARD zuständig für die „Brennpunkte“, die nach der „Tagesschau“ einen durchschnittlichen Marktanteil von etwa 19 Prozent haben. „Wir sind erstaunt darüber, daß es (für die Bevölkerung) noch nicht zur Routine geworden ist“, meint Peter Frey, Leiter der Hauptabteilung Außenpolitik beim ZDF und dort für das tägliche Kosovo-„Spezial“ zuständig. Am Grundproblem für die Medien habe sich auch nach einem Monat nichts geändert: „Wir können vieles nicht nachprüfen. Es sind immer Informationen von interessierter Seite“, sagt der ZDF-Journalist. Ob es um die Nato oder die serbische Seite gehe: „Wir sind stark in den Konjunktiv gegangen.“ Dilemma der Berichterstattung ist nach Ansicht des Hamburger Medienwissenschaftlers Knut Hickethier, daß mit Bildern von Vertriebenen oder Zerstörungen in Serbien nur die Effekte des Krieges gezeigt werden können. Da es wegen der fehlenden journalistischen Präsenz im Kosovo aber keine Bilder von den Vertreibern gebe, „rüsten die Politiker auf“, meint der Wissenschaftler unter Hinweis auf die von Bonner Politikern benutzten Begriffe wie „Genozid“ oder „Konzentrationslager“. Der Politik sei es u.a. gezielt um die Verteufelung von Miloevic gegangen, weswegen auch Mezger unumwunden einräumt: „Natürlich werden die Medien benutzt.“
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