Kosovo - und jetzt?: Slowakei und Rumänien zittern

Die Unabhängigkeitserklärung des Kosovos jagt auch Länder wie der Slowakei und Rumänien Angst vor ihrer ungarischen Minderheit ein. Dabei

UNO-Beauftragter Martti Ahtisaari setzte sich für Kosovo-Resolution ein. Bild: reuters

PRAG taz Ein klares "Nie" und "Nu" zur Unabhängigkeit Kosovos kommt aus Bratislava und Bukarest. Es ist nicht die Unabhängigkeit Kosovos, die den Slowaken und Rumänen sauer aufstößt, sondern die Angst vor einem Dominoeffekt.

Denn in beiden Ländern, bis 1918 Teil der ungarischen Krone, lebt eine starke und politisch aktive ungarische Minderheit. Ein Überbleibsel des Vertrags von Trianon aus dem Jahre 1920, das Politikern entlang der Donau immer noch Kopfschmerzen bereitet. Vor allem seit Budapest 2002 ein "Gesetz über die in den Nachbarländern lebenden Bürger ungarischer Nationalität" verabschiedete. Das Gesetz, das zum Beispiel finanzielle Prämien für Familien vorsieht, die ihre Kinder auf ungarische Schulen schicken, hat die latente Angst vor Großungarn neu entfacht. Genauso wie die Frage eines unabhängigen Kosovo.

Dementsprechend undiplomatisch wandte sich daher der slowakische Außenminister Jan Kubis gegen die Kosovo-Resolution des UNO-Beauftragten Martti Ahtisaari: "Wir sind in keinem Fall für kollektives Recht, sicher nicht für nationale Minderheiten. Und sicherlich nicht dafür, dass dieses Prinzip auf dem Gebiet der Slowakischen Republik geltend gemacht wird", warnte Kubis schon im Vorfeld der Unabhängigkeitserklärung Kosovos. Diese, so Kubis, könnte nun von Vertretern der ungarischen Minderheit in der Slowakei oder in anderen Ländern ausgenutzt werden.

Man lege ihnen halt viel in den Mund, sagt der stellvertretende Vorsitzende der "Partei der ungarischen Koalition" (SMK), Joszef Berenyi. Weder Unabhängigkeit noch Wiedervereinigung mit Ungarn stünden auf dem Programm der Partei, die die rund 550.000 slowakischen Ungarn auch im Parlament in Bratislava vertritt. "Wir teilen mit den Slowaken die gleiche Religion, Kultur und Geschichte", erklärt Berenyi. "Außerdem wollen wir unsere Forderungen auf politischem und friedvollem Weg durchsetzen." Auch wenn die SMK die Ahtisaari-Resolution unterstützt: "Die Slowaken haben keinen Grund, sich vor uns zu fürchten", sagt Berenyi.

Seine 1,4 Millionen Landsleute in Rumänien sehen das schon etwas anders. Sie bezeichnen die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo als Vorbild. "Die Unabhängigkeit des Kosovo ist ein Präzedenzfall, dem alle folgen sollten", erklärte der Vorsitzende der Union Demokratischer Ungarn in Rumänien, Bela Marko, am Montag in Bukarest.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben