Kommentar: Klassenkampf adé
■ Siemens-Protest auf verlorenem Posten
Bremens Sozialdemokratie wurzelte einmal in der Arbeitertradition. Die Belegschaften der Werften, die Stahlarbeiter gaben ihr den politischen Rückhalt. Daher die wirtschaftspolitische Vorliebe für Großbetriebe, die natürlich auch die Einflußkanäle über ihre Arbeitnehmervertreter zu nutzen wußten.
Die Belegschaften von kleinen Betrieben spielten gewerkschaftspolitisch keine entscheidende Rolle, die patriarchalischen Familienunternehmen wie Eduscho auch nicht.
Bei Klöckner haben Arbeitnehmer und Betriebsleitung Hand in Hand das Überleben erkämpft, die Werften haben kampflos ausgegeben. Was bleibt, ist Mercedes, der Neuling auf bremischem Boden – eine gut bezahlte Belegschaft ohne Kampftradition. Von Siemens war in der Geschichtsschreibung des Arbeiterkampfes sowieso nie die Rede. Irgendwie paßt es ins Bild, daß die Sozialdemokratie da niemanden hinschickt, der Bürgermeister kommt aus persönlicher Verbundenheit und versichert sofort, daß er als öffentlicher Arbeitgeber und als Vertreter der Stadtregierung, die mit Siemens eng kooperiert, nicht Partei ergreifen kann für die Arbeitnehmer.
Die Szene hat große Symbolkraft. Die alte, aus Arbeitertradition lebendige Sozialdemokratie in Bremen ist tot. Der Betriebsrat steht gegen den großen Siemens-Konzern und ohne politischen Rückhalt – hoffnungslos auf verlorenem Posten. Klaus Wolschner
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