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KommentarFalscher Rahmen

■ Warum Dow Chemical besser auf den Dialog mit der Öffentlichkeit setzen sollte

Menschen vor dem Werkszaun sind schlecht fürs Chemie-Geschäft. Sie sind ein Sicherheitsproblem, ein Standortnachteil, sie bewirken eine „Entwertung unseres Geländes“. Die Aussagen des Dow Chemical-Managers sind zynisch, aber sie sind, aus der Sicht eines Werkschefs, einfach nur logisch. Sie sind Konsequenz gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.

Es ist weniger die Schuld des Dow-Bosses, daß er höhere Sicherheitsstandards fürchtet. Es sind die falschen Rahmenbedingungen, die es einem Weltkonzern erlauben, sich die Standorte mit den laschesten Vorschriften auszusuchen. Es ist nicht die Schuld des Stader Managers, daß er Menschen vor dem Werkszaun als Grund für höhere Auflagen fürchtet. Es sind die falschen Rahmenbedingungen, wenn dem Gesetzgeber die Natur allein nicht Grund genug für strengstmögliche Sicherheitsvorschriften ist.

Der arme Boß als Opfer des Systems also? Wohl kaum. Zu arrogant verhält er sich gegenüber der Stadt, ihren Politikern und Bürgern. Viel ungeschickter als mit seinem Drohbrief konnte er dabei kaum vorgehen. Statt dessen hätte er auf Kooperation setzen sollen: mit der Stadt, mit den Katamaran-Betreibern, mit der Öffentlichkeit.

Denn daß Technik immer ein Risiko birgt – siehe gestern am Flughafen –, wissen und akzeptieren mittlerweile die meisten. Als Preis für unseren Wohlstand.

Firmen wie Hoechst und Shell haben schmerzhaft erfahren, daß es besser ist, darüber in einen ehrlichen Dialog mit der Öffentlichkeit zu treten. Dow Chemical muß das erst noch lernen.

Achim Fischer

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