Kommentar: Krasses Versagen
■ Kontrollen bei AWO Mangelware
Die Arbeiterwohlfahrt steht vor einem Dilemma. Zum einen ist die Wohlfahrtorganisation offenbar selbst die Geschädigte. Zum anderen müssen die AWO-Verantwortlichen lückenlos nachweisen, daß der Verband nicht selbst unzulässige Gewinne eingefahren hat. Sonst ist es Aus mit der Gemeinnützigkeit. Darum ist die AWO fast schon auf die Mithilfe Taakes zwingend angewiesen. Kein Wunder, daß man sich so zahnlos gegenüber dem Ex-Geschäftsführer zeigt.
Doch offensichtlich hat die verbliebene Geschäftsführung sowie der „integere“ Vorstand noch einen zweiten Grund, die Sache unter der Decke zu halten. Wenn die Vorwürfe gegen Taake stimmen, wenn dessen Aktionen den Verband tatsächlich die Gemeinnützigkeit kostet und dies zum Verlust hunderter Arbeitsplätze führt, wie der Schatzmeister befürchtet, dann müssen sich die AWO-Bosse fragen, wer dafür – neben Taake – noch die Verantwortung trägt.
Tatsache ist offensichtlich, daß fahrlässig mit Steuermitteln in erheblicher Größenordnung umgegangen wurde. Gleiches gilt für hunderte Arbeitsplätze. Daß angesichts solcher Dimensionen hausintern keine Kontrollmechanismen existieren und man statt dessen blauäugig einem Geschäftsführer totale Handlungsfreiheit gewährt, ist kaum nachvollziehbar. Die Konsequenz für den Vorstand kann nur eine sein: Die gleiche wie bei ihrem Ex-Geschäftsführer – wenn die AWO überlebt. Jens Tittmann
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen