Kommentar zur Wohnungswirtschaft: Alte Fehler nicht wiederholen

Recht haben sie, die Lobbyisten der landeseigenen Wohnungswirtschaft und die Vertreter der Degewo: Berlin braucht neue Wohnungen und preiswerte obendrein. Lange genug hat vor allem Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) das Mantra vom angeblichen Mietermarkt vor sich hergetragen. Wer eine Wohnung sucht, weiß: Die Frau wird immer lebensfremder.

Zur Bodenhaftung gehört aber auch die kritische Rückschau. Gerade erst bekommen die Mieter der Fanny-Hensel-Siedlung zu spüren, was Neubau - zumal "sozialer Wohnungsbau" - einmal war: eine Gelddruckmaschine für die Baumafia. "Bau auf, bau auf", lautete die Devise, und vor allem: Baut nicht so billig. Den Preis zahlte lange das Land, nun sollen ihn die Mieter zahlen.

Wenn schon Neubau, dann also richtig. Nur: Was ist das? Die Degewo etwa schlägt vor, auf verbilligten Grundstücken des Landes zu bauen. Doch was bekommt das Land im Gegenzug? Belegungsrechte? Barrierefreies Wohnen? Auf diese Fragen bleibt die Degewo die Antwort bislang schuldig.

Gut möglich, dass die landeseigenen Gesellschaften also vor allem einen Wettbewerbsvorteil vor der Konkurrenz wollen - um unter anderem ihre Schulden abzubauen. Das aber rechtfertigt keine Subventionierung - und bringt auch keinen bezahlbaren Wohnraum.

Fazit: Der Mietermarkt ist tot. Neubau ist wichtig. Die Debatte aber hat gerade erst begonnen. Und Baugruppen und Genossenschaften müssen als Akteure ebenso dazugehören wie die landeseigenen Gesellschaften.

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Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Ein weiterer Schwerpunkt ist Osteuropa. Zuletzt erschien bei Siedler sein Buch "Die Elbe. Europas Geschichte im Fluss". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow.

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