Wohnungswirtschaft: Im Westen gibt es viel zu tun

Die Degewo will Bestand im Westteil sanieren, im Osten ist sie fertig. Bei sinkendem Leerstand sieht der Konzern Baubedarf.

Jahrelang genoss der Osten Vorfahrt, jetzt ist der Westen dran: Das Wohnungsunternehmen Degewo hat angekündigt, mehr als 210 Millionen Euro in die Sanierung seiner Siedlungen im Westteil der Stadt zu investieren. "Die Wohnungen sind ins Alter gekommen", begründete Vorstand Frank Bielka am Mittwoch die Konzernstrategie. Knapp 4.400 Wohnungen in der Neuköllner Gropiusstadt, im Wedding, in Tempelhof und Wilmersdorf sowie in Marienfelde sollen neue Fenster erhalten und neue Heizungsrohre, auch die Sanitäranlagen werden überholt. Zudem will die Degewo die Grünanlagen aufhübschen. Für die Bewohner bedeutet das steigende Mieten - allerdings nach Auskunft des Unternehmens in verhältnismäßig geringem Ausmaß. "Die Nettokaltmieten werden steigen, aber die Nebenkosten sinken", sagte Bielka und belegte dies mit einem Beispiel aus der Gropiusstadt: Dort stieg die Kaltmiete nach der Sanierung zwar um 32 Prozent auf 5,60 Euro, die Warmmiete indes legte lediglich um 11 Prozent auf 7,83 Euro zu. "Die Entlastung schlägt durch", so das Vorstandsmitglied.

Bielka wies darauf hin, dass die Degewo-Mieten grundsätzlich unter den ortsüblichen Vergleichsmieten lägen. Im Durchschnitt zahlten Bewohner im vergangenen Jahr 4,93 Euro pro Quadratmeter und Monat, das sind 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Mieten für Sozialwohnungen, die in Berlin wegen des spezifischen Fördersystems teurer sind als herkömmliche Wohnungen, in diesem Jahr um ein gutes Prozent auf bis zu 5,15 Euro steigen. Generell dürften die Mieten nach Ansicht des Konzerns in den nächsten Jahren um bis zu 1,5 Prozent steigen.

Die Degewo erklärte, damit sei bisher kein Mieter zum Umzug gezwungen worden. Der Konzern verzichte auf 6 Millionen Euro Mieteinnahmen pro Jahr im sozialen Wohnungsbau, um Preissprünge wie im Kreuzberger Fanny-Hensel-Kiez zu vermeiden (siehe rechts). Im vorigen Jahr bezog das Unternehmen noch 20 Millionen Euro Fördermittel vom Land; diese Subventionen werden bis 2015 wegfallen. "Damit kommen wir klar", sagte Vorstandsmitglied Christoph Beck. Die Degewo habe Gesamtschulden - inklusive von Schulden, die nicht in der Bilanz aufgeführt werden müssen - von 2 Milliarden Euro, die schrittweise abgebaut würden. Das Jahresergebnis lag weitgehend unverändert bei 14,9 Millionen Euro; die Degewo rechnet mit einer Steigerung in diesem Jahr.

Die Zuversicht gründet auch auf der auf 3,8 Prozent gesunkenen Leerstandsquote. Vorstand Bielka sagte, damit zahlten sich Kundenorientierung, Modernisierung und die im vergangenen Jahr gestartete Imagekampagne aus. Allein in Marzahn sei die Quote in den letzten Jahren von 15 auf gut 5 Prozent gesunken. Einen Trend hin zu Stadtrandsiedlungen und weg aus teureren Innenstadtkiezen wollte der Vorstand nicht ausmachen.

Die Degewo rechnet damit, dass das Interesse an ihren Beständen weiter steigt. "Wir prüfen daher Ankäufe dort, wo wir unsere Präsenz stärken können", sagte Bielka. Er unterstützte zudem die Forderung des Unternehmerverbands BBU, vom Land Neubauflächen in Tempelhof zu erhalten. Zwar nicht kostenlos, wie es der BBU möchte, aber doch "sehr kostengünstig." Der Bedarf sei da. KRISTINA PEZZEI

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