Kommentar zum BER: Peinlicher gehts nicht

Die Korruptionsvorwürfe gegen den Technikchef weisen auch auf ein altes Problem am BER hin: das häufig angewandte Hire-and-Fire-Prinzip.

Sieht alles nicht so gut aus, Herr Mehdorn. Bild: dpa

Eine größere Peinlichkeit ist kaum vorstellbar. Da holt Flughafenchef Hartmut Mehdorn einen Feuerwehrmann für das größte Sorgenkind an der Dauerbaustelle, die Brandschutzanlage. Und kaum ist der neue Technikchef im Amt, muss er schon wieder gehen. Und zwar aus einem gravierenden Grund: Er soll bestechlich gewesen sein. Ein Korruptionsskandal hat dem Großpannenflughafen gerade noch gefehlt.

Die Diskussion über die Entrauchungsanlage erscheint da in ganz neuem Licht. Hatte der Technikchef fachliche Argumente für die von ihm favorisierte komplette Neuplanung, oder dachte er nur an den eigenen Nutzen? Das zu überprüfen ist schwer, denn die Unterlagen des zuvor entlassenen Planers wurden vernichtet.

Mangelhafte Dokumentation ist generell ein Riesenproblem am BER. Viele Verantwortliche mussten – aus welchem Grund auch immer – gehen und nahmen wichtiges Wissen mit. Die Nachfolger fingen deswegen bei null an und gruben sich wie Archäologen durch die Baustelle, um herauszufinden, was überhaupt schon gebaut wurde. Dies kostet viel Zeit und Geld. Dass auf diese Weise ein Milliardenprojekt umgesetzt werden soll, ist unglaublich.

Klaus Wowereit, der als Aufsichtsratschef Verantwortung tragen müsste, zeigt einmal mehr, dass er dem Flughafenbau nicht mehr gewachsen ist. Wenn er sich nun hoffnungsvoll äußert, dass der Korruptionsfall die Eröffnung des Flughafens nicht weiter verzögert, kann man nur ungläubig den Kopf schütteln. Denn dass der BER in absehbarer Zeit in Betrieb geht – das erscheint nun noch unwahrscheinlicher als zuvor.

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Redakteur der taz am wochenende. Er hat Sozialwissenschaften studiert und die Deutsche Journalistenschule in München absolviert, seit 2011 bei der taz. Recherchen u.a. zu Rechtsextremismus, Geheimdiensten und anderen gesellschaftlichen Problemfällen. Er gibt Seminare zur Online-Recherche und ist als Reporter gerne auch im Ausland unterwegs, vor allem in Lateinamerika.

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