piwik no script img

Kommentar zu den Fan-KrawallenDen Fußball retten

Kommentar von

Marco Carini

Statt sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen, müssen alle Beteiligten zusammenwirken, damit es auch in Zukunft noch Fußballfeste geben wird.

D ie Aufarbeitung der Fan-Krawalle von Hamburg-Alsterdorf gestaltet sich schwierig - zu unterschiedlich ist die Wahrnehmung der Beteiligten. Die Darstellung der Polizei, die erheblich von der des FC St. Pauli abweicht, lässt zudem viele Fragen offen - und Selbstkritik vermissen.

Warum traf die Ordnungskräfte der Gewaltexzess so unvorbereitet? Wieso verfiel die Polizei nach der Turnier-Absage des HSV in Tiefschlaf? Wieso klingelten in der Polizeizentrale nicht alle Alarmglocken, als bekannt wurde, dass die Lübecker Fangruppen nur für den sportlich unwichtigen ersten Turniertag Karten geordert hatten - und zudem gemeinsam mit 30 HSV-Hools anreisten? Warum blieben Hitlergruß und Hasstiraden unbemerkt und ungeahndet? Warum wurde der Lübecker Fanblock, aus dem nachweislich Straftaten begangen wurden, von der Polizei brav zur Bahn eskortiert - ohne eine einzige Ingewahrsamnahme? Auf all diese Fragen liefert die offizielle Polizeiversion der Ereignisse bislang keine überzeugende Antwort. Hier tut Aufklärung not.

Den Kopf des Sicherheitschefs des Kiez-Clubs aufgrund einer missverständlichen Äußerung zu fordern, ist ein hilfloser Reflex. Denn auf dem Spiel steht die Zukunft von Fußballturnieren als risikolosem Familienevent. Statt sich gegenseitig die Schuld zuzuweisen, müssen alle Beteiligten zusammenwirken, damit es auch in Zukunft noch Fußballfeste geben wird.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Marco Carini Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

6 Kommentare

 / 
  • A
    AFU

    Achso, sie konnten unter ihrem Helm nichts hören.Aber wieso haben dann so viele Cops ein Knalltrauma, wenn in 10m Entfernung ein Ladycracker gezündet wird? Ist die Polizei nicht nur auf dem rechten Auge blind sondern auch auf dem rechten Ohr taub?Fragen über Fragen:)

  • P
    Pfefferspray

    Aufarbeitung tut gut - wenn sie denn ein ehrliches Interesse an Ergebnissen hat. Die werden vielleicht nicht allen gefallen. Das Verhalten der Polizei wirft für mich die meisten Fragen auf..."Wir konnten die rassistischen und Nationalsozialistischen Hetzparolen nicht hören, weil wir Helme aufhatten"... Wenn das ganze nicht so traurig wäre, könnte man lachen über diesen Ausspruch. Und da das Wort "Rücktritt" gerade so gern benutzt wird - ich hätte nach diesem und anderen unsäglichen Beschuldigungen und Wahrnehmungstrübungen noch einen heißen Kandidaten... Er trägt mitunter Uniform!

  • AB
    alex B.

    Danke taz für die ausgewogene berichterstattung. wer immer schuld war ist egal .... aber wenn in gewissen medien von krieg geredet wird kommt mir die galle hoch!!!

  • A
    AFU

    Achso, sie konnten unter ihrem Helm nichts hören.Aber wieso haben dann so viele Cops ein Knalltrauma, wenn in 10m Entfernung ein Ladycracker gezündet wird? Ist die Polizei nicht nur auf dem rechten Auge blind sondern auch auf dem rechten Ohr taub?Fragen über Fragen:)

  • P
    Pfefferspray

    Aufarbeitung tut gut - wenn sie denn ein ehrliches Interesse an Ergebnissen hat. Die werden vielleicht nicht allen gefallen. Das Verhalten der Polizei wirft für mich die meisten Fragen auf..."Wir konnten die rassistischen und Nationalsozialistischen Hetzparolen nicht hören, weil wir Helme aufhatten"... Wenn das ganze nicht so traurig wäre, könnte man lachen über diesen Ausspruch. Und da das Wort "Rücktritt" gerade so gern benutzt wird - ich hätte nach diesem und anderen unsäglichen Beschuldigungen und Wahrnehmungstrübungen noch einen heißen Kandidaten... Er trägt mitunter Uniform!

  • AB
    alex B.

    Danke taz für die ausgewogene berichterstattung. wer immer schuld war ist egal .... aber wenn in gewissen medien von krieg geredet wird kommt mir die galle hoch!!!