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Kommentar türkisches Sexualstrafrecht Frauenpower gegen Despoten

Jürgen Gottschlich

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Jürgen Gottschlich

Protest von Frauen in der Türkei hat den als Kinderehe getarnten Missbrauch von Minderjährigen gestoppt. Der Opposition sollte das Hoffnung geben.

E rfolge gegen Autokraten sind möglich. Offenbar haben vor allem Frauen das Potenzial, patriarchalischen Despoten wie Jarosław Kaczyński oder Recep Tayyip Erdoğan empfindliche Niederlagen beizubringen. So wie es in Polen einer breiten Frauenbewegung gelungen ist, den katholischen Fundamentalisten Kaczyński zu zwingen, sein Vorhaben eines absoluten Abtreibungsverbots aufzugeben, muss nun Erdoğan darauf verzichten, den als Kinderehe getarnten Missbrauch von Minderjährigen straffrei zu stellen.

Beide Beispiele zeigen, dass gesellschaftliche Rückschritte selbst unter nahezu diktatorischen Bedingungen zu verhindern sind, wenn die Frauen in einer Gesellschaft sich einig sind. Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Türkei, dass selbst muslimische Frauenverbände nicht bereit sind, jede männliche Perversion unter dem Deckmantel des Islam zu entschuldigen.

Damit ist die weitere Islamisierung der Türkei noch nicht gestoppt und auch Erdoğan nicht ins Wanken gebracht. Aber für viele, viele Türkinnen und Türken, die seit der gnadenlosen Repression gegen jede noch so kleine Kritik am Regime schon in völliger Depression zu versinken drohten, ist es doch ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht geht ja doch noch etwas – vor allem im Hinblick auf die Präsidialvollmachten, die Erdoğan sich im kommenden Jahr mit einer neuen Verfassung zulegen will.

Diese Verfassung muss per Referendum abgesegnet werden. Wenn Erdoğan damit durchkommt, werden demokratische Entscheidungen in der Türkei für viele Jahre nicht mehr stattfinden.

Bislang sah es so aus, als würde der Durchmarsch des Autokraten unter den Bedingungen des Ausnahmezustands unmöglich zu verhindern sein. Die depressive Stimmung großer Teile der Opposition hellt sich nun womöglich wieder etwas auf. Wenn viele mitmachen, ändert sich vielleicht doch noch etwas.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jürgen Gottschlich

Jürgen Gottschlich Auslandskorrespondent Türkei

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1 Kommentar

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  • das ist doch genau das was er braucht...die welt soll denken erdogan macht das, was "sein volk" will!!