Kommentar neues Sorgerecht: Väter sinnvoll gestärkt

Das neue Sorgerecht stärkt die Rechte unverheirateter Väter. Die Kritik am Verfahren ist unberechtigt. Denn ausschlaggebend sollte die Situation des Kindes sein.

Nein, ein völliger Durchbruch ist das nun vom Kabinett verabschiedete Gesetz zum Sorgerecht nicht. Auch weiterhin haben ledige Väter nicht die gleichen Rechte wie verheiratete, denn sie bekommen das Sorgerecht für ihre Kinder nicht automatisch, sondern nur auf Antrag. Doch ein großer Schritt nach vorn ist die neue Regelung ohne Frage.

Bisher war ein unverheirateter Vater auf die Zustimmung der Mutter angewiesen, um das gemeinsame Sorgerecht zu bekommen – und die konnte sie völlig ohne Angabe von Gründen verweigern. Damit ist es nun vorbei: Wenn die Mutter sich zum Antrag des Vaters überhaupt nicht äußert oder keine Argumente nennt, warum das Kind darunter leiden würde, dann bekommt der Vater sein Recht künftig schnell und einfach.

Die Kritik, dass die Familiengerichte dabei nur nach Aktenlage entscheiden, ist unberechtigt. Denn das sogenannte beschleunigte und vereinfachte Verfahren, bei dem auf eine Anhörung der Elternteile verzichtet wird, soll nur zur Anwendung kommen, wenn die Mutter innerhalb von sechs Wochen schriftlich kein Argument gegen die gemeinsame Sorge vorbringt. Wenn sie begründete Einwände erhebt, etwa Gewalterfahrungen oder Unterhaltsverweigerung, dann kommt es zu einem regulären Verfahren, in dem das Gericht prüft, was für das Kind am besten ist.

Denn darum geht es bei der ganzen Sache schließlich: Nicht Beziehungsstress und Machtspiele der Eltern dürfen den Ausschlag geben, sondern die Frage, wie eine optimale Situation für das Kind erreicht werden kann. Im Hinblick auf dieses Ziel ist der Gesetzentwurf der Bundesregierung ein guter Kompromiss.

Wenn er sich bewährt, wenn also die gemeinsame Sorge von getrennten und unverheirateten Paaren zunehmend normaler wird und die Väter die damit einhergehende Verantwortung ernst nehmen, sollte der nächste Schritt, die völlige Gleichberechtigung, auch irgendwann Realität werden.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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