Kommentar Zwangstest für Prostituierte : Sex, Lügen und Idiotentests
Die Regierung möchte Idiotentests für Prostituierte einführen. Die Debatte darüber zeigt, dass Sexarbeit eben doch kein normaler Job ist.
W ann haben Sie den Führerschein gemacht? Hat es Sie geflasht, als Sie gegen das Tempolimit verstoßen haben? Wie haben Sie sich gefühlt, als wir Sie besoffen am Steuer erwischt haben? Beabsichtigen Sie, in Zukunft ein besserer Verkehrsteilnehmer zu werden?
Solche und ähnliche Fragen müssen sich Autofahrer gefallen lassen, die ihren Führerschein losgeworden sind und ihn wiederhaben wollen. Dazu müssen sie zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung. Man nennt sie auch Idiotentest.
Vielleicht müssen demnächst auch Prostituierte zum Idiotentest. Zumindest formulieren SexarbeiterInnen es so zugespitzt. Ein Idiotentest für SexarbeiterInnen drohe, wenn das Prostituiertenschutzgesetz so in Kraft trete, wie es derzeit geplant ist: Prostituierte müssten dann regelmäßig zum Gesundheitscheck. Wenn sie das nicht „einsehen“, kann ihnen der „Hurenpass“ verweigert werden.
Damit würden die Betroffenen grundsätzlich für nicht zurechnungsfähig erklärt. Ja, so kann man das sehen. Warum müssen sich Prostituierte Fragen gefallen lassen, die anderen nicht mal im Traum gestellt werden? Außerdem: Ihr Körper ist ihr Kapital, damit werden sie schon sorgsam umgehen.
Man kann es aber auch anders sehen: Was ist gegen ein Beratungsangebot einzuwenden? Manche Aussteigewillige beispielsweise wissen nicht, wohin sie sich wenden können.
Zuvörderst aber offenbart diese Debatte erneut, dass Prostitution eben doch kein Job ist wie jeder andere auch. Solange das so ist, wird das Bedürfnis, das Rotlichtmilieu gesondert zu regeln, groß sein.
Und wie sollten die Prostituierten nun damit umgehen? Autofahrern, die zum Idiotentest müssen, raten diverse Internetseiten, sich gut darauf vorzubereiten: Auf Gewissens- und Verhaltensfragen immer mit Einsicht reagieren. „Du willst deinen Führerschein zurück? Sei clever, sei clean.“
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