Kommentar Tempelhof-Öffnung: Ein echter Feldversuch
Wenn es um die Nutzung des Tempelhofer Flugfeldes geht, stehen sich Befürworter einer Öffnung ohne Regeln und der Senat unüberbrückbar gegenüber.
D en Leitspruch "Tempelhof für alle" würden beide Seiten sofort unterschreiben, doch dann enden die Gemeinsamkeiten: Wenn es um die Nutzung des Tempelhofer Flugfeldes geht, stehen sich Befürworter einer Öffnung ohne Regeln und der Senat unüberbrückbar gegenüber. Die Aktivisten empfinden die Präsenz von Wachleuten und den Zaun ums Feld als Provokation; der Senat will die Kontrolle über den Park behalten, ihn familien- und sportlerfreundlich gestalten. Beide verfolgten ihre Ziele bislang mit der entsprechenden Konsequenz.
Umso erstaunlicher sind die Töne, die nun aus der Senatsverwaltung zu hören sind: Von "Angeboten statt Verboten" ist da die Rede, von flexiblen Öffnungszeiten womöglich bis Mitternacht, zumindest am ersten Wochenende. Von Sicherheitsleuten, die freundlich auf Besucher zugehen sollen, wenn die sich nicht an die Regeln halten. Kein Wort von Bußgeldern und strikten Regeln.
Das klingt wie eine Art Gesprächsangebot an die Zaungegner; wie ein Versuch, ob es auch mit- anstatt immer nur gegeneinander klappt. Spannend wird, ob den Ankündigungen die entsprechenden Taten folgen: Der Senat wird sich daran messen lassen müssen, ob er sich flexibel bei Öffnungszeiten und Regeln auf dem Feld zeigt oder ob im Zweifelsfall doch die Bußgeldkeule geschwungen wird.
Wagt die Politik tatsächlich das Experiment, bleibt die Reaktion der Zaun- und Regelgegner abzuwarten: Lassen sie sich auf das Konzept ein, oder bleibt es beim Nein zu allem, was nicht völlig selbstbestimmt ist? Respektiert das Bündnis "Tempelhof für alle" Grillplätze und Vogelschutzzonen? Es wird ein echter Feldversuch.
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