Kommentar Telekom-Datenschutzaffäre: Versprechen und Ausflüchte

Obermann und Co. haben endlich kapiert, dass Datenschutzaffären geschäftsschädigend sind - und wollen sich ändern.

Die Deutsche Telekom will künftig Vorbild beim Datenschutz sein. Aus der puren Not geboren, ist das endlich einmal eine gute Nachricht vom krisengeschüttelten Konzern.

Gleichwohl ist Skepsis angebracht: Der gestrige Auftritt von Vorstandschef René Obermann, der auf kritische Nachfragen recht dünnhäutig reagierte, lässt Zweifel, ob die Konzernspitze wirklich verstanden hat, was falsch gelaufen ist. So gab es zur entscheidenden Frage, warum man Kunden, deren Daten gestohlen wurden, nicht einfach informierte, wieder nur Ausflüchte. Da schimmerte dann die altbekannte Selbstgefälligkeit der Telekomvorständler durch. Vertrauensbildend wirkten diese Rechtfertigungsversuche jedenfalls nicht.

Trotzdem besteht auch Grund zur Hoffnung. Denn etwas haben Obermann und Co. sehr wohl begriffen: Dass die Vorgänge der jüngsten Vergangenheit in höchstem Maße geschäftsschädigend sind - und die Telekom den Datenschutz wesentlich ernster nehmen und sie als Unternehmen für wesentlich mehr Transparenz sorgen muss, um schwerwiegenden Schaden abzuwenden. Diese Sprache scheint man auch bei der Telekom zu verstehen.

Datendiebstähle lassen sich nie völlig ausschließen - aber zumindest kann von einem Kommunikationsunternehmen verlangt werden, dass es alles versucht, das Risiko zu minimieren. Das nun geschnürte Maßnahmenpaket kann sich sehen lassen: angefangen bei der Einschränkung von Zugriffsberechtigungen über die Einrichtung einer speziellen Internetseite, auf der über aktuelle kritische Datenschutzvorgänge berichtet werden soll, bis hin zur Etablierung eines unabhängigen Datenschutzrats. Besonders bemerkenswert ist, dass für die Bereiche Datenschutz, Recht und Corporate Compliance ein neues Vorstandsressort vorgesehen ist, dem sogar ein Vetorecht bei Entscheidungen mit datenschutzrechtlicher Relevanz zugebilligt werden soll. Um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, wird die Telekom allerdings beweisen müssen, dass sie es ernst mit ihren Ankündigungen meint.

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Jahrgang 1966. Arbeitet seit 2014 als Redakteur im Inlandsressort der taz. Zuvor fünfzehn Jahre taz-Korrespondent für Nordrhein-Westfalen. Mehrere Buchveröffentlichungen (u.a. „Endstation Rücktritt!? Warum deutsche Politiker einpacken“, Bouvier Verlag, 2011).

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