Kommentar Stifterverband: Die Bildungsblender
Bildungsministerin Schavan redet ohne Unterlass von "Bildungsgerechtigkeit". Tatsächlich aber verbirgt sich dahinter ein Leistungsverständnis, das an das Kaiserreich erinnert.
Wie ernst es der wirtschaftsnahe Stifterverband mit seinem bildungspolitischen Sozialplädoyer wirklich meint - na ja. Die Kritik aus der Wirtschaft an dem geplanten Stipendienprogramm der Bundesregierung aber wirft ein Licht auf das schwarz-gelbe Bildungsverständnis von vorgestern. Die Regierungsparteien hatten sich "BILDUNG" auf die erste Seite ihres Koalitionsvertrages geschrieben. Bildungsministerin Schavan (CDU) redet ohne Unterlass von "Bildungsgerechtigkeit". Tatsächlich aber verbirgt sich hinter ihrem Gerechtigkeitsbegriff ein Leistungsverständnis, das an den Standesdünkel des Kaiserreichs erinnert.
Auch heute noch ist im deutschen Bildungssystem vor allem erfolgreich, wer aus gehobenem Hause stammt. Das will die Regierung weiter befördern. 10 Prozent der "besten" deutschen Studierenden will die schwarz-gelbe Koalition pauschal mit je 300 Euro im Monat unterstützen. Leistungen, Noten gut? Schön! Bedarf ja oder nein? Egal.
Diese gewollte Blindheit bevorzugt erneut diejenigen, die ohnehin privilegiert sind. Dabei weiß im dritten Jahrtausend jedeR: Leistung ist nicht die beste Note. Leistung ist, im Kontext seiner Möglichkeiten sein individuelles Potenzial zu entfalten.
Mit scharfem Blick gezielt denen zu helfen, die dies trotz widriger Bedingungen schaffen, das will die Bundesregierung aber nicht wagen. Sie hält die Autonomie der Hochschulen, die die "Besten" auswählen sollen, für höherrangig als das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes.
Faktisch werden Zehntausende von Kindern, Jugendlichen und potenziellen Studierenden kleingehalten. Weil ihre Begabungen nicht in den Blick geraten. Auch dank des bildungspolitischen Blendwerks von Schwarz-Gelb.
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