Kommentar Sicherungsverwahrung: Sex auch im Knast
Sexualität gehört zur Menschenwürde. Sicherungsverwahrten den Kontakt zu Prostituierten zu gestatten, ist deshalb keinesfalls abwegig.
H aben die Hungerstreikenden es gefordert oder wurde es ihnen nur in den Mund gelegt? Die Vorstellung, dass Sicherungsverwahrte im Gefängnis unreglementierten Frauenbesuch bekommen können, ist jedenfalls nicht so abwegig, wie Boulevardmedien das finden.
Das Bundesverfassungsgericht hat im Mai klargestellt, dass sich die Sicherungsverwahrung klar von der Haftstrafe unterscheiden muss. Denn nach Verbüßung der Strafe werden diese Männer nur noch vorsorglich verwahrt, weil sie als gefährlich gelten. Sie bringen damit ein Freiheitsopfer für die Sicherheit der Gemeinschaft. Ihre Lebensbedingungen sollen, soweit es die Sicherheit erlaubt, an das normale Leben angeglichen werden, so die Karlsruher Forderung.
Sexualität ist ein Teil der Menschenwürde, sie kann deshalb auch Gefangenen nicht einfach verwehrt werden. Schon seit längerem gibt es daher Besuchsräume, wo sich Strafgefangene und Verwahrte mit Ehefrauen und Freundinnen treffen können und auch Sex haben dürfen.
Die meisten Sicherungsverwahrten sitzen jedoch so lange im Knast, dass sie kaum noch Beziehungen nach draußen haben. Hier ist es nicht abwegig, auch den Kontakt zu Prostituierten zuzulassen.
Selbst Vergewaltiger sollten dabei nicht ausgenommen werden. Schließlich müssen gerade sie, therapeutisch begleitet, den Wert konsensualer Sexualität lernen.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert