Kommentar Schulreform: Gemeinschaftsschule sturmreif geschossen

Die CDU hofft einen Fehler aus der großen Koalition beheben zu können: Die Gemeinschaftsschule war ein Zugeständnis an die SPD - und deshalb muss sie nun, Erfolg hin oder her, versenkt werden.

Schleswig-Holsteins CDU korrigiert mit der Reform der Schulreform einen strategischen Fehler. Der SPD hatte sie "ihre" Gemeinschaftsschule zugestanden, eine Art Gesamtschule de luxe, dafür bekam die CDU die Regionalschule, in der die Haupt- und Realschulen aufgehen sollten.

Was die CDU nicht bedacht hatte: Im Norden gibt es große Sympathien für die erfolgreiche skandinavische Einheitsschule, die Kinder nicht aussortiert. Die Folge: Gemeinschaftsschulen boomen, die Regionalschulen verkommen zur neuen Restschule. Durch diese Abstimmung mit den Füßen verliert die CDU zusehends die bildungspolitische Deutungshoheit.

Deshalb wird die Gemeinschaftsschule nun von zwei Seiten sturmreif geschossen: Mit der Oberstufe verliert sie auf breiter Flur ihre Hauptattraktion: den entspannten Weg zum Abitur. Der wird dem Gymnasium zugeschlagen, das in acht oder neun Jahren zum Abi führen darf und damit zu einer Art Ober-Gesamtschule wird.

Den Mut, das im Wahlkampf zu sagen, hatte die CDU nicht, da hieß es "Reformpause". Jetzt schickt sie die FDP vor, die auch in NRW demonstriert, dass sie einem biologistischen Menschenbild von praktisch "veranlagten" Kindern hier und zu Höherem berufenen dort anhängt. Mit den Anforderungen der Wissensgesellschaft hat das nichts zu tun. Mit der Zementierung von Klassenverhältnissen schon.

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Jan Kahlcke, geboren 1967, von 1999 bis 2003 Volontär und Redakteur bei der taz.bremen, kehrte nach freien Lehr- und Wanderjahren 2007 als Redaktionsleiter zur taz.nord zurück

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