Kommentar Schufa und Facebook: Gelegenheit macht Profile

Es wäre ein starkes Stück, wenn die Schufa tatsächlich Netzprofile ausspioniert. Gegen die Auswertung dieser Informationen hilft nur: abmelden.

Da ist es wieder, das alte Image der Auskunftei Schufa als Datenkrake, der verantwortlich gemacht wird, wenn die Bank den Dispo verweigert oder die begehrte Wohnung an jemand anderes vermietet wird.

Das Vertrauen, das sich das Unternehmen durch Transparenz und Offenheit in den letzten Jahren bei Verbraucher- und Datenschützern aufbauen konnte, ist mit einem Schlag dahin. Denn es besteht der Verdacht, dass die Schufa zusammen mit Forschern Gewohnheiten und Vorlieben von Millionen Nutzern sozialer Netzwerke ausspionieren will. Es wäre ein starkes Stück, wenn aus der teils belanglosen Kommunikation im Netz Profile entstünden, die etwas über die Zahlungsfähigkeit der Gesprächspartner aussagen sollen.

Die Fakten sind noch weit weniger dramatisch. Es soll geforscht werden, welcher Nutzen aus den öffentlich verfügbaren und freiwillig ins Netz gestellten Informationen gezogen werden kann. Dass der Vorstand nicht einmal den Verbraucherbeirat über das Vorhaben informiert hat, deutet in diesem Fall eher auf fehlende Sensibilität hin als auf böse Absicht. Aber war der Vorstand wirklich nur blöd?

ist Autor der taz.

Aus dem Verhalten der Schufa lassen sich Lehren ziehen: Es zeigt sich wieder einmal, dass vorhandene technische und rechtliche Möglichkeiten auch genutzt werden. Die Gefahr steigt mit wachsendem wirtschaftlichem Druck. So darf man getrost davon ausgehen, dass andere Firmen auch an Strategien arbeiten, die im Netz vorhandenen Informationen in großem Stile auszuwerten.

Darüber muss sich jeder klar werden, der freiwillig Spuren im Internet hinterlässt. Dies Problem lässt sich durch schärfere Gesetze ohne internationale Datenschutzstandards nicht lösen. Bis dahin schafft nur Abmelden Sicherheit.

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