Kommentar Rentenkasse: Von Äpfeln und Birnen
Gesetzliche Rente lohnt sich für Jüngere als Geldanlage nicht, so eine Studie. Kein Wunder - denn Sozialpolitik und "Renditerisiko" haben wenig mit einander zu tun.
Am Montag ging der Streit in eine neue Runde. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge, deren Gesellschafter die Deutsche Bank ist, legte Ergebnisse ihrer neuesten Untersuchung vor. Danach fällt nicht nur die Rendite, also das Geld, das Einzahler im Alter später von der gesetzlichen Rentenversicherung zurückkriegen, schmaler aus, als wenn sie ihr Geld auf dem privaten Kapitalmarkt in Aktien investiert hätten, auch eine sichere Geldanlage sei die gesetzliche Rentenkasse nicht mehr.
Das "Renditerisiko" der gesetzlichen Rentenversicherung, verkündeten die Anlageforscher, sei "in den letzen 30 Jahren sogar höher" gewesen als das am Kapitalmarkt. Selbst wer in den vergangenen 30 Jahren eine eher ungünstige Aktienmischung besaß, kommt am Ende doch noch auf einen höheren Gewinn als ein Einzahler in die gesetzliche Rentenversicherung. Ursachen seien die "zahlreichen Kürzungen der Politik und die ungünstige Demografie", erklärten die Anlageberater. Sozialpolitik in ein "Renditerisiko" umzurechnen - das bedeutet, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Rein zahlenmäßig betrachtet ist es richtig, dass die gesetzliche Rente für heute Jüngere keine ergiebige Geldanlage darstellt. Diese Rechnung kennt auch die Deutsche Rentenversicherung, die am Montag umgehend mit einer Pressemitteilung konterte. Danach bekommen heute 35-jährige ledige Männer nur noch eine schmale Rendite von rund 2,8 Prozent, wenn sie weiter in die gesetzliche Rente einzahlen. Das ist wenig im Vergleich zu den Erträgen für Besitzer eines Wertpapierdepots. Ein intergenerationales Umlagesystem, in dem die späteren Rentner auf die Arbeitskraft der dann geschrumpften Bevölkerung angewiesen sein werden, ist tatsächlich kein boomendes Geschäft.
Einiges spricht daher dafür, den Kreis der Einzahler per Gesetz auszuweiten, also etwa auch Selbständige in die gesetzliche Rentenkasse miteinzubeziehen. Dies wäre gerechter, als die Verachtung der Leistungsträger gegenüber der Rente durch Kapitalmarktvergleiche zu schüren. Denn auch dies ist ein wenn auch politisches "Renditerisiko".
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