Kommentar Rechter Protest Niederlande: Auch die Liberalen kritisieren
Die Bilder des tobenden Mobs im niederländischen Geldermalsen sind um die Welt gegangen. Mehr Transparenz der Regierung ist nötig.
E s gibt sechs unscheinbare Orte in den Niederlanden, in denen sich in den letzten Monaten eine Evolution vollzog. Die Orte heißen Oranje und Woerden, Steenbergen und Purmerend, Oostknollendam und jetzt Geldermalsen.
Genau hier verlagerte sich der niederländische Streit um die Aufnahme von Flüchtlingen von der verbalen Ebene auf eine Ebene jenseits davon: Rauchbomben und heraus gebrüllte rechte Parolen, Böller, Brandstiftung, Steine. Der aggressive Protest lässt sich mit nur sechs Buchstaben zusammenfassen: AZC NEE. Übersetzt heißt das: „Asylzentrum nein“.
Die Bilder des tobenden Mobs in Geldermalsen haben international schockiert, denn so vehement hat sich der Volkszorn bislang nicht gezeigt. Das Gesamtbild ist sogar noch schlimmer, wenn man Hakenkreuzschmierereien und Bedrohungen von Lokalpolitikern miteinbezieht.
Es ist falsch, diese Entwicklungen nur der klassischen Neonaziszene zuzuschreiben, auch wenn die neonazistische Partei NVU sich auf diesem Parkett profiliert. Die Parole „eigen volk eerst“ (“Das eigene Volk zuerst“) war einst der Sprech von neurechten Identitären. Doch inzwischen gehört diese Parole zum Standardrepertoire der Flüchtlingsgegner, rhetorisch eingebürgert durch einen jahrelangen Diskurs des „Man wird das doch wohl noch sagen dürfen.”
In Geldermalsen brachte zum wiederholten Mal ein zweifelhaftes Vorgehen der Regierung und Behörden das Fass zum Überlaufen. Der Bescheid über die Pläne zum Bau der Flüchtlingsunterkunft kam so spontan wie die Information über dessen Umfang. Beides wird auch von liberalen Parteien bemängelt. Doch die verheerende Gewalt ist damit keineswegs gerechtfertigt.
Nur noch 460 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert