Kommentar Prostitution in Italien : Weg von der Straße
Italiens Regierung will den Straßenstrich verbieten. Dadurch würde die Prostitution in die Illegalität abgedrängt.
Wer wollte etwas sagen gegen den Vorschlag, endlich die Straßenprostitution energisch zu bekämpfen? Italiens Gleichstellungsministerin Mara Carfagna darf sich breiter öffentlicher Zustimmung sicher sein, wenn sie jetzt den Sexhandel unter freiem Himmel einhegen will. Der ist ein Phänomen: Über Kilometer stehen in Italien Dutzende Mädchen Tag und Nacht an den Ausfallstraßen der großen Städte, oft genug aber auch auf einsamen Provinzstraßen und meist bloß in Unterwäsche, um ihre Dienste anzubieten. Und oft genug ist diesen Mädchen anzusehen, dass sie noch minderjährig sind. Oft genug schließlich wurden sie von Menschenhändlern in die Prostitution gezwungen.
Neben der Bekämpfung der Zwangsprostitution hat die Ministerin ein weiteres Argument auf ihrer Seite. Seit Jahren versuchen Bürgermeister mit administrativen Mitteln, mit Halteverboten, mit der Installierung von Überwachungskameras dem Geschäft ein Ende zu bereiten - ohne jeden Erfolg. Jetzt dagegen will Carfagna den Freiern genauso wie den Prostituierten mit der Drohung von Geld- und Haftstrafen endlich beikommen.
Das klingt plausibel - ist es aber nicht. Denn der "Massenmarkt" der Prostitution kennt in Italien bisher nur diesen einen Ort: die Straße. Bordelle, Clubs oder Rotlichtbezirke sind schlicht verboten. Nur das Luxussegment der Call-Girls arbeitet legal zu Hause in der Eigentumswohnung. Die Berlusconi-Ministerin nimmt sich also nicht weniger vor, als die Prostitution rundum zu verbieten. Sie wird damit keinen Erfolg haben. Mehr noch: Sie wird jene guten Ansätze in der Bekämpfung der Zwangsprostitution zerstören, die es in Italien gibt.
Mädchen, die gegen Zuhälter und Schlepperringe aussagen, können bisher auf eine Aufenthaltserlaubnis wie auf staatliche Aussteigerprogramme setzen. Jetzt aber sollen sie, ohne Ansehen ihrer Situation, durch die Bank als Verbrecherinnen behandelt werden. Mag sein, dass die Regierung so die großen Ausfallstraßen endlich freiräumt - aber bloß um den Preis eines andauernden Katz-und-Maus-Spiels zwischen der Polizei, den Huren und ihren Kunden. Und um den Preis, die anschaffenden Mädchen in die Illegalität zu drängen - zur Freude der Zuhälter.
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