Kommentar Nahost-Konflikt: In Gaza kann keiner gewinnen

Die iraelische Führung hat gewusst, dass der Krieg gegen die Hamas keine Lösung der Nahostprobleme ist - und sich trotzdem zu diesem Waffengang entschlossen.

Kein Krieg hat den Nahen Osten bisher einer Lösung seiner Probleme näher gebracht. Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen wird da keine Ausnahme bilden. Er wird lediglich hunderte, wenn nicht tausende von Opfern fordern und den Elendsstreifen in menschlichem Leid und politischem Chaos versinken lassen. Und er wird eine dauerhafte Lösung des Palästinakonflikts auf Jahre hinaus verbauen. Das dürfte der israelischen Führung klar gewesen sein, als sie sich zu diesem Waffengang entschlossen hat.

Selbst wenn Israel "nur" sein offiziell erklärtes Kriegsziel, den Süden des Landes vom Katjuscha- und Grad-Beschuss zu befreien, erreichen will, muss die israelische Armee die Hamas ins Mark treffen und die politische Macht der Islamisten brechen. Eine derart herausgeforderte Hamas aber dürfte mit allen Mitteln um ihr Überleben kämpfen. Viel länger als eine Woche wird die internationale Diplomatie dem Blutvergießen im Gazastreifen nicht tatenlos zusehen können. Das Kalkül der Hamas wird also sein, den Krieg gegen die israelischen Bodentruppen in die Länge zu ziehen - und so viele israelische Soldaten wie nur möglich zu töten.

Israel seinerseits kann sich nicht erneut ein Fiasko wie im Libanonkrieg von 2006 gegen die Hisbollah leisten. Die Suche nach einem Ende des Krieges, mit dem die israelische Führung ihr Gesicht wahren kann, wird deshalb jeden Versuch einer Vermittlung erschweren. Daran trägt das Nahostquartett eine gehörige Mitschuld, weil es die unselige israelische Blockadepolitik gegen den Gazastreifen mitgetragen und versäumt hat, von Israel mehr als ein Lippenbekenntnis zur Zweistaatenlösung einzufordern. Schuld daran trägt aber auch der Bruderzwist zwischen Hamas und Fatah, der die Palästinenser einer glaubwürdig handlungsfähigen Führung beraubt hat.

Zu befürchten ist, dass der Krieg im Gazastreifen die kommende Generation der Palästinenser weiter radikalisieren wird. Die Hamas könnte dann von einer Generation al-Qaida abgelöst werden. Die USA und die Europäer werden sich dann ganz anders engagieren müssen. Sicher ist nur: Der Hass, der aus den Ruinen dieses Krieges wächst, wird die Welt weiter in Atem halten.

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61, ist Redakteur im Ausland und gelegentlich Chef vom Dienst. Er arbeitet seit 1995 bei der taz, für die er schon in den 80iger Jahren geschrieben hat. Derzeit ist er zuständig für die Europäische Union und Westeuropa. Vor seiner langjährigen Tätigkeit als Blattmacher und Titelredakteur war Georg Baltissen Korrespondent in Jerusalem. Noch heute arbeitet er deshalb als Reisebegleiter für die taz-Reisen in die Palästinensische Zivilgesellschaft. In den 90iger Jahren berichtete er zudem von den Demonstrationen der Zajedno-Opposition in Belgrad. Er gehörte zur ersten Gruppe von Journalisten, die nach dem Massaker von 1995 Srebrenica besuchte.

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