Kommentar Montgomery: Heuschrecke oder Mehlmotte?
David Montgomery sprach vor der Belegschaft seines Berliner Verlags und bewies: Er, der sich Verleger nennt, hat andere Prioritäten als die Journalisten.
H euschrecken lassen sich nieder, grasen alles ab und ziehen weiter. Das Bild ist ungenau, wenn es zur Beschreibung David Montgomerys verwendet wird: Die Financial Times Deutschland, die sich in letzter Zeit durch relativ ausführliche Montgomery-Berichterstattung hervorgetan hat, hat daher das Bild der Mehlmotte vorgeschlagen: "Das Tierchen nistet sich tief ein und ruiniert dann langsam, aber stetig die Grundsubstanz", hieß es vor kurzem in einem Kommentar.
Es ist müßig, zu spekulieren, ob die FTD-Redaktion sich auf die Art gegen eine Übernahme durch Montgomerys Mecom-Konzern positionieren will, die im Raum steht. Fakt ist aber, dass Montgomery unter deutschen Journalisten so beliebt ist wie Fußpilz. Der Vorwurf lautet, er nehme Journalismus nicht ernst, er ziele nur auf Rendite ab - auch wenn er Ersteres leugnet.
Gestern sprach Montgomery vor der Belegschaft des Berliner Verlags. Er sang dort, wie ein Mitarbeiter sagt, "das Hohelied des Journalismus", betonte dessen Verantwortung - doch er erntete Gelächter. "Wir haben bisher unterschätzt, welch hohen Wert journalistische Inhalte haben", gab er dort zu - doch in Begeisterung verfielen die Mitarbeiter nicht. Denn die Aussage ist schwammig genug, um nichts zu bedeuten. Auf die viel konkretere Frage nach zusätzlichen Mitteln für den Online-Ausbau oder die Frage nach Personalabbau etwa reagierte er ausweichend.
Montgomery sagt, er interessiere sich ernsthaft für Medien. Und richtig ist, dass die sich schon immer rechnen mussten - das ist keine Montgomery-Erfindung. Doch das Problem ist, dass unter ihm die Prioritäten verschoben sind: vom Journalismus zur Rendite. Das ist die Entwicklung, für die er steht.
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