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Kommentar Kritik am Rauhen HausGefundenes Fressen

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Unions-Fraktionschef Volker Kauder nutzt die Kritik an dem Rückblick auf die DDR-Jugendhilfe, um einen Kampf von gestern zu reanimieren.

W ie schön muss es sein für die CDU/ CSU, dass sie wieder einmal auf den Sozialismus einprügeln darf. Und die Welt macht mit – schließlich kann sie sich einen exklusiven Brief des Fraktionschefs Volker Kauder nicht entgehen lassen. Fast wie in alten Zeiten! Am Ende ist es aber doch nur die abgelebte Erinnerung an einen Kampf von früher.

Die Kritik wird dem strittigen Beitrag von Eberhard Mannschatz und dessen Kontext nicht gerecht. Der Vortrag steht in einem Band, der zur kritischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen der Sozialpädagogik auffordert. Mannschatz erklärt den Jugendwerkhof in Torgau zu einem „unsäglichen Kapitel der DDR-Jugendhilfe“ und verbindet das mit einer grundsätzlichen Kritik am gefängnisartigen Einschließen Jugendlicher. Es fehlt nur die Abbitte dafür, dass er nicht den Dienst quittiert hat, als sich an den Zuständen in Torgau nichts änderte. Das ist bedauerlich.

Im Retro-Stil zettelt Kauder eine Diskussion darüber an, ob die Jugendhilfe-Debatte in einer Zeitschrift geführt werden darf, die sich im Untertitel „sozialistisch“ nennt. Da ist Mannschatz weiter, weil er verschiedene Arten von Sozialismus für denkbar hält. Ganz gleich, ob am Ende etwas Sinnvolles herauskommt: Über Alternativen zum bestehenden System wird wohl noch nachgedacht werden dürfen.

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Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

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6 Kommentare

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  • U
    ufftaufta

    Es scheint sich keiner das Buch T.Kunstreichs angeguckt zu haben.

    Kunstreich zeichnet anhand von Beispielquellen die Geshcichte Sozialer Arbeit nach.

    Diese Quellen sind oft primäre, also unverfälscht dargestellte Positionen. Anhand dieser wird kritisch die Ideengeschichte SozialerArbeit diskutiert.

    Ebene auch DDR-Pädagogik, aber auch die diffusen Begriffe von wichern, der Armut als Gott gegeben definierte und die Armen nach den Kategorien 'sittlich' und 'unsittlich' sortierte.

    Jeder Geschichitsstudent macht nichts anderes als sich Originalquellen anzugucken und sich mti eben diesen auseinanderzusetzen. Diese auseinandersetzung ist ein legitimees Mittel von Forschung und Lehre. Wer T.Kunstreich kennt weiss, dass er einer der schärfsten Gegener geschl. Unterbringung und ideologie-vermittelnder Pädagogik ist.

    Als Lesetipp, presseerklärung der Hochschule und des Astas des Rauhen Hauses:

    http://www.ev-hochschule-hh.de/bildung/ev-hochschule-fuer-soziale-arbeit-diakonie/aktuelles/news/artikel/345/318/f9dc59b97c/

  • CS
    Christian Sachse

    Stecken Sie die Anti-Anti-Kommunismus-Keule wieder ein, lieber Herr Knödler. Hier geht es nicht um überlebte ideologische Grabenkämpfe, sondern um historisch nachweisbare Vorgänge. Nehmen Sie die einfach erstmal zur Kenntnis und sortieren Sie dann Ihr Urteil neu. Eberhard Mannschatz war nicht nur am Jugendwerkhof Torgau verantwortlich beteiligt. Er hat trägt auch die Verantwortung für die Industrie-Jugendwerkhöfe in den 1960er Jahren, wo Jugendliche in Brikettfarbriken schuften mussten. Er hat auch nachweisbar an den Konzepten zur Verfolgung der Jugendkulturen mitgeschrieben. Das ist längst bekannt und veröffentlicht. Mit den traumatisierten Opfern haben wir es heute in den Beratungsstellen zu tun. Laden Sie sich einfach mal zwei, drei von diesen Betroffenen ein - und urteilen Sie dann.

  • W
    Weinberg

    Nach den Untaten an Kindern durch den DDR-Sozialismus sollte sich Herr Kauder auch der Untaten, die seine (!) römisch-katholische Kirche in Deutschland zu verantworten, schnellstens annehmen.

     

    Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen!

  • U
    Unto

    Was will Herr Kauder? Eine Wiederholung der Bücherverbrennung im Sinne einer "Aktion wider den undeutschen Geist" von 1933? Ich bin selbst Dipl.-Sozialarbeiter-/Sozialpädagoge. Auch während meines Studiums an der Hochschule in Bremen haben wir uns mit den öffentlichen Erziehungsmethoden sozialistischer Länder beschäftigt. Auch Eberhard Mannschatz blieb da nicht unbehandelt. Na und? Der Blick über den Tellerrand hinaus ist es schließlich, der von unserer zukünftigen Bildungselite erwartet wird. Oder wird diese Fähigkeit vielleicht von unserer Politik gar nicht mehr gewünscht? Linkes Gedankengut ist ja bereits mit Erfolg aus unseren Universitäten verbannt worden. Was waren das noch für Zeiten, als die Studenten für ihre Ideale auf die Strasse gingen! Alles Schnee von gestern. Unsere Universitäten sind zu reinen Kaderschmieden verkommen, wo Denken, und vor allem lautes Denken nicht mehr gewünscht ist. Druck, Leistung und Scheuklappendenken ist angesagt. Bloß nicht nach links oder rechts schauen! Schließlich dürfen sich Vorgänge wie in den 1970er und 1980er Jahren nicht wiederholen. Studenten mit eigenem Kopf und Denkvermögen? Unfassbar.

    Als nächstes werden dann wohl die Schriften von Marx und Engels aus den Uni-Bibliotheken verbannt. Nur weiter so. Hohlköpfe sind gefragt. Die mucken nicht auf sondern funktionieren!

    Vielleicht sollten unsere Volksvertreter einfach mal den Mund halten wenn es um Dinge geht, von denen sie keine Ahnung haben! Unsere Politiker sollten einmal darüber nachdenken, wie sie selbst vor noch nicht langer Zeit die damalige DDR und ihre Politik hofiert haben. Zur Erinnerung: Noch zwei Jahre vor dem Fall der Mauer, im Herbst 1987 wurde Erich Honneker bei seinem Staatsbesuch in der Bundesrepublik mit allen Ehren empfangen. Nur zwei Jahre später, nach der Grenzöffnung, wurde er als Schwerverbrecher gejagt. Das zeigt, wie falsch und menschenverachtend unsere Polik handelt, wenn es in ihrem Interesse ist.

    Herr Kauder, halten sie sich doch bitte zukünftig aus Dingen heraus, von denen sie keine Ahnung haben.

     

    Gruß von einem Dipl.-Sozialarbeiter-/Sozialpädagogen im Öffentlichen Dienst

  • D
    Detlev

    Die CDU kann zwischen Birnen und Äpfeln nicht unterscheiden. Dass die DDR-Jugendhilfe kein Modellprojekt war und dass es bis heute für viele Menschen purer Frust ist, sich daran zu erinnern, hat auch der ex-DDR-Autor nicht verschwiegen oder vertuschen wollen.

  • RE
    Rudolf Eglhofer

    Klar, Gernot, nicht das Geschwafel des Obersten Folterers ist verdammenswert sondern die Kritik daran. Schließlich ist er ja ein "kritischer Sozialist", muss also per se erst einmal Recht haben. Dass er die mit seiner Billigung und unter seiner Verantwortung begangenen Verbrechen nicht einmal bedauert ist ja aus ideologischen Gründen nur eine "Petitesse", nicht wahr?