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Kommentar Kartell der GaslieferantenEine Opec für Gaslieferanten

Bernward Janzing

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Bernward Janzing

Die neue Organisationsstruktur zeigt enorme Voraussicht. Wenn die Bindung von Gas ans Erdöl aufgehoben wird, wird man neue Strukturen der Preisbildung finden müssen.

W as für bedrohliche Wörter: Eine Gas-Opec wird gegründet, ein internationales Gaskartell. Das klingt, als würden die Gaslieferanten zum neuen Jahr - oder zumindest in naher Zukunft - die Daumenschrauben anziehen, indem sie am runden Tisch steigende Preise beschließen. Bei Konsumenten werden plötzlich Urängste geweckt.

Bernward Janzing ist studierter Geowissenschaftler und arbeitet als freier Journalist in Freiburg. Die Energiemärkte sowie die effiziente - und kostensparende - Nutzung von Energie zählen seit Jahren zu den Schwerpunkten seiner Arbeit.

Doch die sind unberechtigt. Durch das Kartell wird sich nämlich erst einmal gar nichts ändern; zum aktuellen Zeitpunkt ist das Ganze nicht mehr als eine symbolische Institution. Schließlich haben die Importeure langfristige Verträge. Eon-Ruhrgas etwa hat erst kürzlich neue Verträge mit Norwegen und Russland abgeschlossen, die zum Teil bis ins Jahr 2038 reichen. Darin ist weiterhin der Ölpreis als Maßstab fixiert. Wenn nun ein Kartell der Lieferanten die Bezugskonditionen ändern und seine Marktmacht ausspielen wollte, müssten die Exporteure schon vertragsbrüchig werden. Somit dürften sowohl die Verbraucher wie auch die Gasbranche in Deutschland von einer Gas-Opec kurz- und auch mittelfristig kaum etwas merken.

Dennoch: Dass die Gaslieferanten sich formieren, um eine gemeinsame Organisationsstruktur zu schaffen, ist aus Sicht der betreffenden Länder nachvollziehbar. Denn weil die Ölfördermengen weltweit in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen werden, wird das Gas das Erdöl irgendwann in seiner Bedeutung überflügeln. Und spätestens dann wird eine Bindung an den Ölpreis absurd sein. Dann wird es neue Strukturen der Preisfindung geben müssen - genau diesen langfristigen Systemwechsel bereiten die Länder nun vor.

So wenig ein Gaskartell also in den nächsten Jahren verändern wird, so sehr dürfte es in zwei bis drei Jahrzehnten seine Macht ausspielen. Aus Sicht der Verbraucher (die Energie zu erschwinglichen Preisen wünschen) wie aus Sicht der europäischen Staaten (die bestrebt sein sollten, internationale Abhängigkeiten zu limitieren) kann das am Ende nur eines heißen: Wenn das Gaskartell wirksam wird, müssen Energiealternativen in großem Stil verfügbar sein - und zwar heimische erneuerbare Energien.

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Bernward Janzing

Bernward Janzing

Fachjournalist mit Schwerpunkt Energie und Umwelt seit 30 Jahren. Naturwissenschaftler - daher ein Freund sachlicher Analysen.
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