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Kommentar Karneval im Norden Die den Brauch mit Füßen treten

Kommentar von

Petra Schellen

Die norddeutschen Karnevalisten missachten die heiligen Karnevals-Ehrencodices aus dem Rheinland sträflich. Und verstehen noch dazu nicht einmal Kölsch.

E s ist schon traurig: Kaum verlässt man die Karnevals-Hochburgen - im Fall der exilierten Kommentatorin: das Heilige Köln -, beginnt auch schon die Verwahrlosung. Das barbarische Mit-Füßen-Treten der Karnevals-Ehrencodices.

Nicht genug damit, dass der durchschnittliche Norddeutsche höchst unzureichend über die Terminierung von Weiberfastnacht (ja, heute!) und Rosenmontag orientiert ist. Dass er kaum einmal zur Kirche geht - und wenn, dann allenfalls protestantisch.

Nein, viel schwerer wiegt es, dass sich sowohl Schleswig-Holsteiner als auch Niedersachsen erdreisten, weit über das amtliche Karnevalsende am Aschermittwoch hinaus zu feiern - sprich: bis mitten hinein in die heilige Fastenzeit. Die lahme Begründung der hiesigen Rosenmontags-Renegaten: Man feiere doch nicht wegen irgendwelcher Termine, sondern aus "Spaß an der Freud".

Aus rheinischer Sicht ist dazu Dreierlei zu sagen: Erstens gehört der Spruch "Spaß an der Freud" niemandem sonst außer uns. Zweitens: Über den Humorquotienten des Norddeutschen an und für sich sprechen wir bei anderer Gelegenheit. Und drittens: Bevor wir weiterreden, lernt Ihr doch erstmal ordentlich Kölsch! Oder versteht hier irgendwer den Satz "Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet"? Eben.

Petra Schellen Redakteurin

Seit 2000 Redakteurin der taz am Standort Hamburg. Schwerpunkte: Kultur, Zeitgeschichte, Erinnerungskultur, Kolonialismus
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1 Kommentar

  • OA
    Olaf Amling

    "Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet"

     

    Natürlich verstehe ich den Satz. Das ist ja auch nicht so schwer für einen Schleswig-Holsteiner, oder?