Kommentar Island: Die arktische Dimension

Island will der EU beitreten. Doch es ist kein Bittsteller, sondern stellt harte Forderungen. Die EU wird Reykjavík trotzdem entgegenkommen, um Einfluss in der Arktis zu sichern.

Hinter Islands EU-Beitrittsantrag steht letztlich die Finanzkrise, die das Land bis ins Mark erschüttert hat. Doch es ist kein Bittsteller, der da anklopft. Die Verhandlungsrichtlinien der Regierung klingen selbstbewusst und wenig kompromissbereit. Das hat sicher auch innenpolitische Gründe. Die erforderliche Parlamentsmehrheit ließ sich nur mit einem rigiden Forderungskatalog zusammenkratzen.

Und tatsächlich wird ein Teil dieser Forderungen nicht verhandelbar sein, wenn der Beitrittsantrag bei den EU-skeptischen Isländern eine realistische Chance bei einem Referendum haben soll. Dummerweise sind das aber Forderungen, die für Brüssel nicht leicht zu schlucken sein dürften. Das gilt vor allem für den Wunsch Islands nach einem nationalen Selbstbestimmungsrecht über seine Fischressourcen.

Die Prognose sei gewagt: Brüssel wird Reykjavík sehr weit entgegenkommen. Nicht weil man zu den schwer gebeutelten Isländern nett sein möchte. Oder weil für die EU so ein Minimitglied mit 320.000 Einwohnern nicht weiter ins Gewicht fällt. Mit einem Beitritt Islands könnte die EU in einer Region mitreden, in der vor allem die USA, Russland und Kanada das Sagen haben.

Aber Island wäre nur Teil einer Vision in der sowohl aus strategischen Gründen wie wegen ihrer Naturressourcen interessanten Arktisregion. Eigentlich würde die EU gerne ein gehöriges Maß an Einfluss auf die Arktis nehmen. Das Mittel dazu heißt Norwegen. Mit Wohlwollen gegenüber Island würde Brüssel auf diesen noch viel interessanteren Beitrittskandidaten zielen. Ein geglücktes Verhandlungsergebnis beim Thema Fischerei würde der Ja-Fraktion in Norwegen das Argument liefern, das dort bislang für eine Mehrheit fehlte. Und die EU könnte sich zu einem gleichberechtigten Arktisakteur aufschwingen.

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