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Kommentar Hessens SPDHessens SPD im Ypsi-Rausch

Kommentar von

Heide Platen

Ypsilanti suggerierte am Wochenende mit Verve, dass die SPD noch immer eine große Volkspartei sei, in der Mitte der Gesellschaft und doch gleichzeitig irgendwie links von ihr.

Man hätte meinen können, es sei wieder Wahlkampf. Die Regierungsmacht liegt in weiter Ferne. Doch im Congress Park von Hanau, wo sich die hessische SPD zum Parteitag traf, herrschten an diesem Wochenende ein karnevalesker Ypsi-Kult und Aufbruchstimmung. Die Basis der hessischen SPD demonstrierte beim Landesparteitag, dass ihr Herz mehrheitlich links und vor allem für die gescheiterte Beinahesiegerin Andrea Ypsilanti schlägt. Sie bekräftigte damit noch einmal die Position ihrer Vorsitzenden: keine große Koalition. Ypsilantis rechte Hand bleibt also weiter unverrückbar festgenagelt. Die linke dagegen ist ihr nur noch locker auf dem Rücken festgebunden.

Damit bleibt der Partei vorerst eine öffentliche Zerreißprobe erspart. Doch diejenigen, die den Kardinalfehler Ypsilantis vor allem darin sehen, dass sie ein Zusammengehen mit der CDU völlig ausgeschlossen hatte, werden nicht stillhalten. Sie stehen gegen jene Mehrheit, die den Königsweg darin sieht, das verloren gegangene Linksprofil einerseits gegen die, andererseits aber auch mit der Linkspartei zu schärfen.

Ypsilanti suggerierte am Wochenende mit Verve, dass die SPD noch immer eine große Volkspartei sei, in der Mitte der Gesellschaft und doch gleichzeitig irgendwie links von ihr - so links jedenfalls, dass frustrierte Abtrünnige aus der Linkspartei getrost in ihren Schoß zurückkehren könnten.

Also aus der Opposition heraus Mehrheiten organisieren? Oder gar doch eine Minderheitsregierung? Da es zum Regieren künftig immer wieder dreier Parteien bedürfen wird und die CDU schon ungeniert mit den Grünen kokettiert, könnte Hessen vor der Bundestagswahl 2009 zum Probelauf werden. Die SPD entkäme der Rolle des schwächelnden Juniorpartners der CDU, arrangierte sie sich auf großer Bühne mit der Linkspartei. Ypsilanti bliebe die Rolle der Hasardeurin, die, getrieben von eigener Hybris und getragen von der Gefühligkeit ihrer Parteibasis, in Hessen zum Machtkampf gegen die geschäftsführende CDU-Regierung antritt, Scheitern inbegriffen.

Nur eines ist bei diesem Experiment sicher: ein fortdauernder Wahlkampf, solange es währt. Dass sie Neuwahlen nicht mehr ausschließe, sagte Ypsilanti in Hanau nur in einem Halbsatz.

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